Re: In welcher Welt leben wir?
Geschrieben von gummientchen am 13. März 2010 19:02:39:
Als Antwort auf: In welcher Welt leben wir? geschrieben von Eric am 13. März 2010 01:07:21:
Lieber Eric, liebe Schotterblumen,
interessanter Weise verschwindet für Säuglinge und Kleinkinder tatsächlich die Welt, wenn die Sinneseindrücke verschwinden und
übrig bleibt nur das Sein oder das Ich - je nach Alter. Ein Gegenstand der nicht gesehen wird, existiert nicht. Es scheint also
einen Sinn zu geben, warum wir lernen uns ein Bild/ Modell der Welt aufzubauen. Und ich denke, dieser Sinn liegt im Verstehen.
Wenn ich es nicht schaffe, etwas in mein Modell zu integrieren, dann verstehe ich es nicht. Diese Integration in meine Erfahrungen,
mein Faktenwissen ist aber eben auch fehleranfällig. Solche falschen oder auch richtige Schlussfolgerungen, Interpretationen werden dann durch
weitere Erfahrungen und Feedback überprüft und gegebenenfalls korrigiert und kalibriert. Dadurch sind wir Lern- und Handlungsfähig.
D.h. das Bild der Welt ist gar keine so blöde Einrichtung im Kopf.
Es entsteht natürlich durch unsere gesammelten Wahrnehmungen und deren Verarbeitung und bestimmt diese auch entscheidend - da steckt das
Teufelchen!
Im günstigen Fall ist unsere Wahrnehmung selektiv, d.h. wir können gar nicht alles in einem Moment wahrnehmen, denn das könnten
wir nicht mehr verarbeiten (Reizüberflutung, Krankheitsbilder wie Autismus). Bsp. ich nehme den Bildschirm wahr, das eine oder andere
Hintergrundgeräusch, vielleicht noch mein Wohlbefinden, aber huch, es ist mittlerweile dunkel draußen geworden! Meine Sinne sind jetzt
in erster Linie hier auf das Schreiben gerichtet. Zudem lenke ich meine Wahrnehmung auch nicht auf alles - sollte ich hier etwas
Schreiben, was jemand anderes schon geschrieben hat...ich habe es nicht gelesen, sorry!
Somit ist Wahrnehmung immer subjektiv - dem einen fallen die Blümchen in der Leiste ins Auge, dem anderen gefallen die Bäume im Hintergrund,
dem dritten ist noch gar nicht aufgefallen wie liebevoll die Seite gestaltet wurde.
Und trotzdem halte ich jede Wahrnehmung und jedes Weltbild für real. Real für den der es hat, der sich damit die Welt erklärt und daraus
heraus handelt. Ob es immer richtig ist bleibt somit offen. ...außer wir würden doch in einer Matrix leben ;)Eric, vieles von dem was du geschrieben hast sehe ich genauso, ich mag nur das Wort Illusion nicht, auch wenn in gewisser Weise der
Charakter des Weltbildes einer Illusion gleicht. In meinem Weltbild ist eine Illusion etwas das aufgebaut wird und dann platzt, wie
ein entzauberter Zaubertrick. Für mich bevorzuge ich allerdings den festen Boden unter den Füßen ;)Wie kommt man also aus der Interpretationsfalle? Gerade in Konfliktsituationen, denke ich, dass das Aufeinanderprallen von
Weltbildern am massivsten zu beobachten ist. + Neue Interpretationen aus dem Konflikt + Integration ins vorhandene Weltbild
+schlimmsten Falls funktioniert die Kommunikation gar nicht mehr.
Aus meinen Erfahrungen heraus, ist es wichtig nicht allzuviel oder wenn möglich gar nicht zu interpretieren, sondern zu fragen.
Wenn ich das Bewußtsein habe, dass der andere ein anderes Bild im Kopf hat, wie ich, dann kann ich mein Bild - wenn ich den anderen
verstehen will - nur anhand der Fakten und dessen was der andere preisgibt aufbauen. Dazu hilft meiner Meinung nach nur offenes
Nachfragen...und vielleicht eine gewisse Offenheit für die Antwort.Ist der Knoten irgendwie verständlich ausgedrückt?
Liebe Grüße,gummientchen
- Re: In welcher Welt leben wir? Eric 13.03.2010 20:44 (8)
- Re: In welcher Welt leben wir? gummientchen 13.03.2010 23:10 (7)
- Re: In welcher Welt leben wir? Eric 13.03.2010 23:54 (6)
- Re: In welcher Welt leben wir? Helena 19.03.2010 09:22 (4)
- Re: In welcher Welt leben wir? Eric 20.03.2010 13:55 (3)
- Re: In welcher Welt leben wir? raschida 20.03.2010 15:03 (2)
- Re: In welcher Welt leben wir? Eric 20.03.2010 18:05 (1)
- Re: In welcher Welt leben wir? raschida 20.03.2010 19:30 (0)
- Re: In welcher Welt leben wir? gummientchen 18.03.2010 12:34 (0)