Re: In welcher Welt leben wir?

Geschrieben von gummientchen am 13. März 2010 23:10:45:

Als Antwort auf: Re: In welcher Welt leben wir? geschrieben von Eric am 13. März 2010 20:44:09:

Lieber Eric,

vielen Dank für Deine Antwort.
Das ist richtig, dass sich das "ich" erst im Laufe der Zeit aufbaut. Es ist auch nicht
als bewußter Zustand des Kindes zu sehen, sondern im frühkindlichen Narzissmus.
Ich habe Hunger, ich will spielen, ich habe Schmerzen...die eigentliche Ablösung
von der Gefühlswelt der Mutter, deren Nähe im nächsten Entwicklungsschritt wieder
gesucht wird und idealerweise wieder gefunden wird. Das Kind ist in dieser Phase
nicht in der Lage eine andere Perspektive einzunehmen oder Empathie zu empfinden.

Du schreibst:
>Also bleibt am Anfang nur das Sein.
>Und genau das sehe ich als Ausweg aus der Interpretationsfalle.
>Das Baby steckt in dieser Falle noch nicht drin.
>Und wenn wir es schaffen, dieses Sein für uns wiederzuentdecken, dann können wir auch diese Falle überwinden.
...einfach nur sein...das hört sich richtig gut an! Ja, ich denke auch, dass das ein Ausweg aus
der Interpretationsfalle sein kann.
Wenn ich einfach bin - alles losgelassen habe - auch Wünsche und Vorstellungen - handle ich dann noch?
Wo liegt die Grenze zwischen "egal sein" und "darüber stehen"? Gelassenheit und Gleichgültigkeit?
Braucht es nicht auch ein gewisses Spannungsfeld, das einen antreibt? Ein Ziel?
"Wer ein unbeschwertes Leben lebt, hat Grund, sich zu beschweren." (Eckart von Hirschhausen)


>Das bedeutet aber keineswegs, dass wir dann automatisch eine objektive, fehlerfreie Wahrnehmung haben.

Ich denke, unsere Wahrnehmung ist für uns real und somit ersteinmal richtig. Die Schlüsse die wir daraus
ziehen, können fehlerhaft sein. Bewußt oder unbewußt interagieren wir mit unserer Umwelt, um unsere
Schlüsse zu überprüfen. Das Ergebnis kann einen Richtigkeitswert haben. (Ich umschippere mal den Ausdruck
absolute Wahrheit - denn die liegt für mich als Christ woanders.)


>Aber wir können das überwinden, das ich mit "illusionärem Charakter" beschrieb.
Lösen wir dann nicht unser Weltbild und somit die Grundlage unseres Seins auf? Bin ich frei, wenn es
keine Grenzen gibt?


>Sorry, ich hatte damit nicht etwas gemeint, das wie eine Seifenblase platzt.
Es gibt nichts was zu entschuldigen wäre, denn du hattest einfach ein anderes Bild, als du es geschrieben
hast, als ich, in dem Moment da ich es zum ersten Mal gelesen habe. Schon ein einzelnes Wort
kann ganz unterschiedliche semantische Verknüpfungen haben. Je nach Gefühlsverfassung kann
diese Bedeutung zudem unterschiedlich intensiv sein und wir sind wieder beim Interpretieren!


>Aber mir fällt auch gerade kein besseres Wort dafür ein.
Mir gerade auch nicht, aber sobald mir eines einfällt...;)

Jetzt sind wir ziemlich in den Theorien verstrickt (auch interessant und wir können gern weitermachen).
Ich würde mich freuen, wenn wir daraus auch anwendbare praktische Schlüsse für Bereiche wie Kommunikation,
Konfliktbewältigung... eben einen Nutzen für's Leben, Orientierung zum Weitergehen entwickeln könnten.

Liebe Grüße,

gummientchen



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