Re: In welcher Welt leben wir?

Geschrieben von gummientchen am 18. März 2010 12:34:10:

Als Antwort auf: Re: In welcher Welt leben wir? geschrieben von Eric am 13. März 2010 23:54:48:

Lieber Eric,

ja, wir liegen mit unseren Ansichten nicht weit auseinander, ich denke nur (und ja, da interpretiere ich ;) ) das
wir in unterschiedliche Zielrichtungen ziehen. Wenn ich dich richtig verstehe, hälst du es für erstrebenswert
das Ich loszulassen um frei zu sein. Vielleicht kann ich mir ein Sein ohne ein Ich nicht richtig vorstellen, weil
ich es nicht bewußt erlebt habe, denn bis jetzt brauche ich mein Bewußtsein um über das Ich Auskünfte zu erhalten - ich
nenne es mal Ich-Bewußtsein - ich existiere, ich handle, ich agiere in einem System namens Umwelt, das wiederum Einfluß
auf mich nimmt. Was verstehst du genau unter "absichtsloses Handeln"? Frei von Erwartungen oder Willkür oder etwas anderes?

Du schreibst:
>Auf der Ebene des Seins ist Wahrnehmung weder richtig noch falsch, sondern sie IST einfach.
>Ich finde es wichtig zu wissen, dass sich meine Wahrnehmung von der anderer Menschen oder überhaupt anderer Wesen unterscheidet, aber sie zu bewerten finde ich nicht wichtig.

Ja, ich interpretiere Wahrnehmung und ich erkläre auch gleich warum. Deinem zweiten Satz kann ich prinzipiell gut zustimmen, besonders dem
ersten Teil. Beim ersten, weiß ich nicht, ober nur auf die Ebene des Seins zutrifft. Prinzipiell würde ich auch sagen, dass Wahrnehmung
zuersteinmal IST. Doch ich finde es (da kommt die Pragmatikerin in mir heraus) hilfreich sich bewußt zu sein, dass diese richtig oder falsch
sein kann. Wir schreiben hier in einem Forum wo es viele gibt - und ich schließe mich darin ein - die vielleicht Angst davor haben oder hatten, Dinge falsch
wahrzunehmen, nicht zu existieren, falsch zu interpretieren, sich den Kopf zerbrechen und sich im Grübeln verlieren, gerne zu einem negativen
Ergebnis sich selbst gegenüber. Da halte ich es für wenig hilfreich dieses Grübeln zu vertiefen und den Blick für den praktischen Schritt nach
vorne aus dem Blick zu verlieren. Den Zustand des Seins zu erlangen ist sicher toll für jeden der das erreicht und ich beglückwünsche jeden
der das schafft - ich halte es aber für eine Monsteraufgabe und für mich beginnt loslassen in kleinen Schritten.

Eine Ableitung, wie ich sie gemeint hatte geht somit in eine paktische Richtung und ich halte es für absolut legitim hier
auch zu interpretieren ;). Bsp.: Wenn ich mir in einer Konfliktsituation bewußt bin, dass der andere eventuell eine andere
Wahrnehmung hat als ich, lasse ich meine Erwartung (z.B. der lügt mich an) los, stelle meine eigene Position vielleicht hinten
an und erfrage zuersteinmal, was der andere genau wahrgenommen hat, was er empfindet und prüfe, ob es sich vielleicht doch
mit meiner Wahrnehmung deckt oder eben nicht und kommuniziere dies.
Die Interpretationsfalle sehe ich in diesem Beispiel also auf einer ganz anderen Ebene.

Auf was ich heraus möchte ist, dass ich glaube, dass hier im Forum ganz viel Potential an Stärkung und gegenseitigem
Mut machen steckt, wie es oft schon erlebbar war. Ich finde auch philosophische Diskussionen total spannend und absolut
berechtigt. Schön fände ich, wenn wir noch mehr praktische Erfahrungen (wie es natürlich auch schon gibt und gab)
und anwendbare Tipps einbringen könnten.

Liebe Grüße,

gummientchen



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