Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg
Geschrieben von Eric am 01. August 2010 16:37:26:
Als Antwort auf: Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg geschrieben von raschida am 01. August 2010 15:41:33:
Liebe Raschida, ich finde es vor allem schlimm, wie vor den Ursachen die Augen verschlossen werden.
Das empfinde ich als Missachtung der Opfer.Stattdesse kommt es zu Auswüchsen wie dem Verbot einer Veranstaltung für 4000 Menschen in einem Tunnel, der 800m lang ist.
Wenn sich dort die Menschen im Abstand von einem Meter aufstellen und die Hände ausstrecken schaffen sie es vielleicht sogar ihren Nachbarn und die Tunnelwand zu berühren.
Ein verlorenes Häufchen in diesem Tunnel.
Es wird aber nur der Tunnel an sich gesehen und ihm die Gefahr zugeschoben, obwohl dem ja gar nicht so ist.Es gibt gerade in diesem Fall sehr viele Verantwortliche, die sich mir nach derzeitigen Informationen so darstellen:
Zum einen die Täter selbst.
Diejenigen, die rücksichtslos in den Tunnel drängten ohne dass sie interessiert hätte, ob durch den Druck, den sie auf andere ausüben Menschen zu Schaden kommen.Dann diejenigen, die nicht verhindert haben, dass es zu den Taten kommt.
Ein Bürgermeister, der unbedingt die Veranstaltung in seiner Stadt haben wollte, ob die nun geeignet ist oder nicht.Eine Stadtverwaltung, die im Streit an einem Sicherheitskonzept arbeitete und offenbar einen zweiten Tunnel unbedingt als Notausgang deklariert haben wollte, der im Normalfall nicht genutzt werden darf und dessen Nutzung als normaler Weg vielleicht die Katastrophe verhindert hätte.
Ein Veranstalter, der die Veranstaltung gleichermaßen durchziehen wollte, um sein Image zu polieren.
Und der die Fahrzeuge der Veranstaltung so nahe am Ende der Rampe fahren ließ, dass die Menschen von dort nur sehr langsam auf das Festgelände kamen. Zudem sorgte er hinterher für Verwirrung, weil er wie offenbar bei jeder Veranstaltung aus PR Gründen die Zahl der Besucher stark übertrieb, so dass überhaupt nicht klar wurde, wie viele Menschen wirklich da waren oder mit wie vielen wirklich gerechnet wurde.Rettungskräfte und Polizei, die ihre Fahrzeuge Medienberichten zufolge direkt an der Rampe parkten und so den zum Verlassen der Rampe zur Verfügung stehenden Platz weiter einschränkten.
Polizisten, die den Wunsch etlicher Teilnehmer die Notausgänge zu öffnen ignorierten. Erst nachdem Tote zu beklagen waren öffneten sie diese Notausgänge.
Eine Polizei, die den Ausgang der Rampe zum Festgelände hin aus mir und anscheinend auch der Feuerwehr nicht nachvollziehbaren Gründen plötzlich sperrte. Laut Protokoll der Feuerwehr verwahrte diese sich dagegen und forderte als Bedingung, dass dann auch die Zugänge außerhalb des Tunnels gesperrt werden müssten, um den Zustrom weiterer Besucher zu verhindern.
Dies jedoch tat die Polizei nicht, sondern gab nach den Worten auf deren eigener Pressekonferenz "ihre Bemühungen auf" angesichts eine immer aggressiver werdenden Menschenmenge, die Richtung Tunneleingang drängte, woraufhin es dann zu den Verletzungen und Todesfällen kam.
Auch der Veranstalter hatte ja schon kritisiert, dass die Polizei die Anweisung gegeben hatte, die Schleusen vor den Tunneln zu öffnen.
Angesichts der von der Polizei geäußerten Vorwürfe erschien es mir so, dass hier eine persönliche Fehde zwischen den Verantwortlichen der Polizei und dem Veranstalter zugrunde lag. Die Polizei versuchte möglicherweise, die Verantwortung abzuwälzen und in einer Trotzreaktion das ganze zu einem ausschließlichen Problem des Veranstalters zu machen, obwohl sie für die Abläufe außerhalb des Geländes zu jeder Zeit zuständig war.
Dabei ignorierte sie jedoch, dass sie nicht nicht für den Veranstalter vor Ort war und auch nicht in dessen Dienst stand. Sondern sie war für die Menschen da. Diese hat sie offenbar im Stich gelassen und einfach "ihre Bemühungen aufgegeben".
Du siehst also, es gab mehrere Möglichkeiten, die Katastrophe abzuwenden.
Möglicherweise hätte eine davon schon gereicht.
Aber keine davon wurde genutzt.Ich selbst stelle mir jedoch seitdem die Frage: "wie hätte ich selbst reagiert?".
Hätte ich dem Druck der hinter mir stehenden standgehalten, mich dagegen gestemmt statt ihm nachzugeben?
Hätte ich darauf bestanden, Abstand zum vor mir gehenden zu halten oder wäre ich zu dicht an ihn heran getreten?
Hätte ich Vernunft über meinen Wunsch gestellt und den Versuch aufgegeben, auf das Festgelände zu kommen als ich gesehen hätte, dass es aussichtslos ist?Sicher, das sind unbequeme Fragen.
Aber ich finde, sie sind notwendig, damit ich mir selbst der Situation bewusst werden kann und die Chance habe, mich bewusst für ein bestimmtes Verhalten zu entscheiden, wenn ich in eine solche Situation komme.Liebe Grüße
Eric
- Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg raschida 01.08.2010 19:37 (9)
- Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg Eric 01.08.2010 20:13 (8)
- Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg raschida 01.08.2010 22:41 (7)
- Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg Eric 02.08.2010 01:38 (6)
- Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg raschida 02.08.2010 06:46 (5)
- nachtrag raschida 02.08.2010 07:38 (4)
- Re: nachtrag 3 raschida 02.08.2010 10:15 (0)
- Re: nachtrag ....fehler in der zeit,.....15.55 sollte es heissen raschida 02.08.2010 09:22 (0)
- Re: nachtrag 2 raschida 02.08.2010 09:21 (1)
- Re: nachtrag 3 raschida 04.08.2010 01:16 (0)