Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg

Geschrieben von Eric am 01. August 2010 20:13:54:

Als Antwort auf: Re: Eine Kerze für die Opfer von Duisburg geschrieben von raschida am 01. August 2010 19:37:50:

Liebe Raschida,

natürlich war der Veranstalter davon überzeugt, die Besucherströme in Eigenregie zu lenken.
Davon geht jede vernünftige Planung aus.
Aber was soll er tun, wenn seine Ordner die polizeiliche Anordnung bekommen, alle Schleusen zu öffnen?

Die Polizei ist dafür da um einzugreifen, falls unvorhergesehene Dinge geschehen und die Dinge außer Kontrolle zu geraten drohen.

Ich erinnere mich an weit kleinere Veranstaltungen, wo mehrere Hundertschaften an Bereitschaftspolizei hinzugezogen wurden.

Hat die Duisburger Polizei wirklich geglaubt, das mit ein paar Leuten in den Griff zu kriegen?
Waren die tatsächlich so größenwahnsinnig oder ging die Anzahl der Polizisten in den Meldungen unter?
Ich kann mich nämlich nicht erinnern, darüber gelesen zu haben.

Aber ich denke es hat schon seinen Grund, weshalb die Ermittlungen sofort der Duisburger Polizei entzogen und anderen Polizeieinheiten übertragen wurden.

Tja, die Wut der jungen Leute...
Die war wohl leider einer der Hauptgründe für diese Katastrophe.

Aber ich glaube kaum, dass die juristische Aufarbeitung die wirklich verantwortlichen bestrafen wird.
Denn mit einem kann unser Justizsystem nun gar nicht umgehen: wenn es mehrere Verursacher gibt und nicht die Schuld einem einzelnen zugeordnet werden kann.

Selbst bei den Dränglern ist es so, dass nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, dass GENAU DIESE Drängelei weiter vorne zu Verletzungen führte. Zumal die weiter vorne gehenden ja auch noch daran beteiligt waren. Hätten sie sich dagegen gestemmt, wäre nichts passiert. Haben sie jedoch den Druck einfach weiter gegeben, dann hat er sich verstärkt. Aber WESSEN DRUCK war es genau?

Dieser Schwarz/Weiß Sicht unserer Juristen wird hier nicht entsprochen werden können.

Anders wäre es, wenn die Drängelei an sich strafbar wäre.
Darüber sollten sich mal unsere Politiker Gedanken machen.
Dann könnten wenigstens einzelne Drängler zur Verantwortung gezogen werden.
Mit einer "Strafe" von 200 Euro oder so.
Mehr wird das nicht werden für eine Ordnungswidrigkeit.

Aber was ist, wenn sich herausstellt, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (Gewissheit gibt es nicht) fünf verschiedene Maßnahmen die Katastrophe hätten verhindern können?
Wer ist dann schuld? Welcher von den Fünf?
Das Konzept der Schuld hat große Schwächen, wie sich hier zeigt.

Deinen Begriff "Machtgerangel" verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht.

"Macht" ist kein Bestandteil meiner Weltanschauung, wie Du wohl weißt.
Trotzdem kann ich diesen Begriff i.a. einordnen.
Hier jedoch nicht.

Liebe Grüße

Eric




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