Re: Lücken im Mitgefühl: die Folgen

Geschrieben von tiegerkätzchen am 08. April 2012 18:32:31:

Als Antwort auf: Lücken im Mitgefühl: die Folgen geschrieben von Eric am 07. April 2012 14:42:23:

lieber eric,

nein, mitgefühl ist kein luxus, aber ebenso wenig ein privileg.
ich finde vorverurteilungen generell daneben, denn wie sich auch im mordfall lena gezeigt hat, kann das ganz schön nach hinten losgehen.

ich finde auch das man ein kind (das etwas blödes angestellt hat) nicht als täter betiteln sollte. kinder lernen von den erwachsenen und wenn sie etwas blödes tun ist es aufgabe der eltern oder der erziehungsberechtigten dem kind zu vermitteln das das nicht in orgdung war. ein kind braucht aber niemals eine strafe, sondern eine konsequenz. heißt wenn ich meinem kind sage das es nicht auf der straße fahrrad fahren soll, weil das zu gefährlich ist und ich meinem kind daraufhin hausarest gebe, bestraf ich es. wenn ich stattdessen aber zu meinem kind sage das ich ihm doch schon gesagt habe das es zu gefährlich ist und ihm sage das es erstmal nur noch auf dem hof radfahren darf und dann nach einer woche oder so mit mir zusammen unterwegfahren darf um mir zu beweisen das es jetzt richtig an der seite fahren kann, dann ist das eine fehlverhalten bezogene konsequenz.
aber um zurück auf das thema zu kommen, ich denke das man kindern gegenüber immer mit mitgefühl, aber auch mit grenzen zum schutz des kindes begegnen sollte.

ich stimme dir zu das man ohne mitgefühl selbst schnell zum täter wird ohne es zu merken, doch ich denke das das ein etwas längerer weg ist und nicht wegen einer vorrübergehender kurzzeitigen lücke im mitgefühl dieses entsteht.

ich denke man darf auch mensch sein und kleine fehler machen, solange man darüber nachdenkt und es einsieht und sich gegebenfalls entschulgigt. ich mein damit, wenn man mal nicht ganz her seiner sinne ist und über etwas wütend ist und unangemessen reagiert (lauter wird etc.), dann aber darüber nachdenkt, es ändert und sich entschuldigt. ich hoffe das ist verständlich geschrieben.

liebe grüße!
tiegerkätzchen

>Liebe Schotterblumen,
>"weshalb sollte ich denn Mitgefühl für jemanden entwickeln, der Täter ist?"
>Diese Frage werden sich viele stellen und sie wurde ja auch schon in diesem Forum gestellt.
>Bei vielen Menschen sprang der "Schalter", den unser Mitgefühl ja bekanntlich hat, auch im Falle des 17-jährigen Jungen aus Emden auf "aus", als dieser unter dem Verdacht verhaftet wurde, Täter im Mordfall Lena zu sein.
>Das führte dazu, dass dieser Junge mit Morddrohungen überschüttet wurde, obwohl er schon nach einem Tag wegen erwiesener Unschuld wieder entlassen worden war.
>Wieso aber erkannten das diese Menschen nicht, die ihn weiterhin bedrohten?
>Weil ihr Mitgefühl auf "aus" stand, seit der Junge in die Schublade "Täter" gesteckt worden war. Dies wiederum war dann Rechtfertigung, gegen ihn vorzugehen. Aber eben nicht aus sachlichen Motiven heraus, sondern um die eigene Wut auszuleben. Wut, die im Grunde nichts mit dem Jungen zu tun hat, sondern die wahrscheinlich aus eigenen traumatisierenden Erlebnissen stammt.
>Wie hätten diese Menschen erkennen können, dass der Junge unschuldig ist?
>Das geht eben nicht mehr, wenn die eigene Wut bereits die Oberhand hat. Dann wird diese sich verselbständigen. Um zu erkennen, dass das eigene Verhalten schief läuft, wäre Mitgefühl mit dem Objekt dieser Wut notwendig gewesen. Mitgefühl mit einem Menschen, der in der Schublade "Täter" steckt.
>Um nicht selbst zum Täter zu werden ist es also notwendig, Mitgefühl auch zu Tätern zu entwickeln, weil wir sonst gar nicht erkennen können, ob wir schon zum Täter geworden sind oder nicht.
>Dies betrifft jeden von uns, auch in der Familie.
>Wenn unser eigenes Kind etwas angestellt hat und damit in unserer eigenen Auffassung in diesem Bereich zum "Täter" wurde, dann hat es nach Auffassung vieler Menschen Strafe verdient.
>Was aber, wenn unser eigenes Mitgefühl mit ihm dann schon ausgesetzt hat, weil er (vorübergehend) in der Schublade "Täter" steckt?
>Wie wollen wir dann noch erkennen, ob es noch Strafe ist, was wir da machen, oder ob wir dem Kind schweren seelischen Schaden zufügen?
>Ohne Mitgefühl mit Tätern ist das nicht möglich, sonst besteht eine große Gefahr für uns, selbst zum Täter zu werden, ohne es überhaupt zu merken.
>Mitgefühl auch mit Tätern ist also kein Luxus, auf den wir getrost verzichten könnten, sondern pure Notwendigkeit für jeden Menschen.
>Liebe Grüße
>Eric




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