Re: Angst. Pesimist -Optimist - Realist

Geschrieben von Eric am 23. Juni 2011 14:38:52:

Als Antwort auf: Re: Angst. Pesimist -Optimist - Realist geschrieben von sehnsucht am 22. Juni 2011 23:40:24:

Liebe Sehnsucht,

da hast Du recht, es gibt einen Grund, weshalb ich hier bin.

Und die Dinge, über die ich hier schreibe sind nicht einfach ausgedacht oder irgendwo gelesen, sondern entspringen dem, was ich selbst erlebt habe und erlebe.

Deswegen sind Lösungsmöglichkeiten und Wege, über die ich hier schreibe zwar authentisch und "praxiserprobt", aber die Beschreibung bleibt für denjenigen der sie liest erst mal nur Theorie.

Zur Praxis wird das ganze dann, wenn wir uns entschließen, selber aktiv zu werden, die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

Das kann nicht der Schreiber eines Textes (für den Leser), sondern das kann nur der Leser selbst.

So manches von dem, was ich heute praktiziere habe ich früher abgelehnt. Zumindest teilweise, denn in mir war auch immer die Bereitschaft, mich bis zu einem gewissen Grad auf Neues einzulassen.

Daher kenne ich das durchaus, dass Wege nicht zum Ziel führen, von denen wir uns wünschen, sie würden es. Aber auch, dass Wege zum Ziel führen, die wir aber ablehnen.

Deswegen ist es für mich auch nicht verwunderlich sondern ganz normal, dass einiges von dem was ich hier schreibe auf Widerspruch, ja sogar vehemente Ablehnung stößt.

Wichtig ist aber, dass ein Mensch erst einmal etwas von neuen Wegen gehört oder gelesen hat. Und wenn er sie vehement ablehnt, bleiben sie umso mehr in seinem Gedächtnis haften.

In Zukunft kann ein Mensch dann auf die Summe seiner Erinnerungen zurück greifen und dann davon Gebrauch machen, wenn er selbst dazu breit ist.

Gerade bei der Angst ist das allerdings wirklich eine Herausforderung.

Denn wie der Psychologe Seligman schon 1990 in seinem Buch "Learned Optimism" schreibt, kann Angst uns in "erlernte Hilflosigkeit" treiben. In eine Resignation, so dass wir gar nicht mehr versuchen, die einzig sinnvolle Abhilfe zu wählen, nämlich die Überwindung der Angst.

Stattdessen kann es passieren, dass wir lieber die vielen Probleme in Kauf nehmen, die Angst mit sich bringen kann: Depression, Aggression, Hilflosigkeit, Ohnmachtsgefühle, körperliche Stressfolgen und Erkrankungen und vieles mehr.

Es kann uns mit der Angst passieren, dass wir nichts mehr als wichtig erachten, außer den Objekten unserer Angst. Und dass wir vieles von dem nicht mehr wahrnehmen, was um uns und in uns ist.

Denn Angst unterdrückt Emotionen und Wahrnehmungen, die in einer Gefahrensituation nicht benötigt werden, sie verengt die eigene Wahrnehmung auf das, was uns Angst macht und erhöht den Stresspegel, um eine schnelle Reaktion auf Gefahren zu ermöglichen.

Damit unterdrückt sie aber auch einen großen Teil dessen, was es in der Welt wahrzunehmen gibt. Und auch einen großen Teil der Wahrnehmung unserer Selbst. Im Grunde unterdrückt sie damit unser Leben.

Aber das sollte immer nur für ganz kurze Zeit erfolgen, denn Angst ist ein Mechanismus, der so angelegt ist, dass er sich automatisch selbst überflüssig macht.

Denn Angst will uns dazu bewegen, Gefahren zu vermeiden oder sie zu überwinden. Ist das geschafft, dann hat die Angst ihr Ziel erreicht und verschwindet von selbst.

Das wichtigste Ziel der Angst selbst ist also ihre eigene Überwindung.

Was aber, wenn genau das nicht mehr passiert? Wenn Angst zum "Normalzustand" wird?
Dann müssen wir selbst aktiv werden, dann müssen wir selbst Entscheidungen treffen, die es uns ermöglichen, unsere Angst loszulassen, wenn wir nicht an den vielen möglichen Folgeerscheinungen erkranken wollen.

Liebe Grüße

Eric




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