Heilung oder doch damit leben ? triggert evtl

Geschrieben von Puenktchen am 03. August 2010 12:07:24:

Hallo,

ich hab da immer so meine schwierigkeiten mit dem wort Heilung.
Heilung ja dazu muss ich so verletzt sein das ich auch geheilt werden kann oder wurde ich so verletzt, das davon Narben zurückbleiben und ich lernen muss damit zu leben und umzugehen, aber dann bin ich auch nicht wirklich geheilt ich habe nur gelernt mit div. Beeinträchtigungen zu leben und das beste daraus zu machen.
Ich tue mir auch sehr schwer damit mit dem Begriff Überlebende.
Klar habe ich überlebt weil ich lebe ja noch ;) aber so wie mir geht es der rest der Welt der noch lebt, wenn ich dann mal sterbe was bin ich dann ? eine Nicht überlebende ?
Ist das so wie wenn ein Flugzeug abstürzt und es gab nur so und soviel überlebende ?
War mein Leben damals überhaupt wirklich in Gefahr ?
Ich denke zumindest bei mir, war mein Leben so nicht in Gefahr, das ich sagen würde von mir, ich bin eine Überlebende.
verletzt aber nicht lebensgefährlich verletzt.
Es sind narben zurückgeblieben körperliche und auch seelische.
Mit den seelischen Narben kann ich persönlich besser umgehen als mit den körperlichen.
Warum? Die körperlichen sehe ich jeden tag, jeden tag wenn ich vor dem Spiegel steh und anfange sie zu überdecken, jeden Tag wenn mich jemand so sieht wie ich wirklich ausseh (zwinker ) und dann das gesicht komisch verzieht, wenn auch nur für einen mini mini moment.
Die seelischen Narben damit habe ich gerlernt umzugehen, das war ein längere Prozess und manchmal gibt es Tage, da kann ich gar nicht damit umgehen da ist es so als würden alle Narben keine Narben sein sondern Wunden aber irgendwie verheilen sie trotzdem wieder und der Tag vergeht, die schlimme Nacht vergeht, es wird wieder morgen.. und manchmal gehe ich auch gestärkt da wieder raus, da ich weiß oh das kann ich auch aushalten.

Ein Freund hat mir mal gesagt, ich habe nicht so viel Schwierigkeiten damit das du dich verletzt (hast) sondern eher damit das du dich jeden Abend halbwegs betrinkst um gut schlafen zu können.
Oh ich hab viel darüber darüber nachgedacht was er damit meint, wie er es meint, ist das eine weniger schlimm als das andere ?
Und wir hatten dann einen Deal ausgehandelt, ich darf mich verletzten wenn ich das wirklich brauch und möchte, aber bevor ich zum Alkohol greife muss ich mind. eine halbe stunde mit ihm reden warum etc.
Für einige mag sich das nun sicher nach macht und bestimmung anhören, aber mir hat es geholfen, allein zu wissen hey du machst da nix verbotenes, du darfst das machen wenn du möchtest und es brauchst das andere darfst du auch machen wenn bestimmte bedingungen erfüllt sind.
Und die Tage wurden weniger wo ich ihn deswegen angerufen bzw. angesprochen habe...
Vielleicht bzw. ganz sicher war es auch der Freund, der kein Psychologe war, auch kein Therapeut, der aber viele Dinge sehr nüchtern gesehen hat und immer und immer wieder gefragt und nachgehackt hat.
("Ich habe Angst" ... "ja wovor hast du angst" ... "ich weiß nicht kann das nicht beschreiben" ... "hast du angst vor dem schreibtisch, vor dem stuhl ? " lach "nein" usw. ) Ich sollte und konnte mit ihm über soo viel reden und so viel sagen und ihn auch alles fragen weil er mir alles immer und immer wieder erklärt hat.

Er war so ein lieber mensch ....
es gibt immer noch tage wo ich mir denk oh ich brauch einen schnaps sonst "überleb" ich das nicht aber auch das kann ich mittlerweile gut meistern.
Bin ich geheilt ? Weiß ich nicht aber so wie ich momentan lebe ( bis auf wenige ausnahmen) kann ich damit umgehen, lebe ich ok, lebe ich so das ich es aushalten ja sogar genießen kann.
Dann gab es vor ca. einem Jahr den moment wo ich dachte oh oh nun ist es vorbei ich kann nicht mehr das halte ich nicht mehr aus, aber mit auch hilfe dieses Forums habe ich es doch geschafft, mit schreiben und viel viel viel weinen.

Liebe Grüße

Pünktchen




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