Reflektieren über sich selbst

Geschrieben von Eric am 22. Mai 2010 16:50:49:

Liebe Schotterblumen,

andere zu erkennen ist nicht so leicht, weil man in deren Köpfe bekanntlich nicht hinein sehen kann.
Bei sich selbst ist das hingegen schon möglich, also müsste es doch viel leichter sein, sich selbst zu erkennen?

Um das herauszufinden sollten wir uns zuerst überlegen, was unsere Wahrnehmung anderer beeinträchtigt.

Da wären zum einen Erinnerungen. Hat ein Mensch erst einmal schlechte Erfahrungen mit einem Menschen gemacht neigt er dazu, diese auch auf andere Menschen zu übertragen, die irgendeine Gemeinsamkeit mit diesem Menschen haben.

Seien es nun Ähnlichkeiten im Aussehen, im Beruf usw.
Für unsere Vorfahren war das eine wichtige Fähigkeit, denn so konnten sie beispielsweise lernen, dass Raubtiere gefährlich waren und sich so von allen Tieren fern halten, die Wesenszüge von Raubtieren aufwiesen.

In unserer modernen Welt, die um vieles komplexer ist, kommt uns dieses Verhalten hingegen meist nicht zugute, denn Menschen können nicht zutreffend einfach in Schubladen gesteckt werden wie es bei Raubtieren noch möglich ist.

Zudem ist es oft so, dass unsere eigenen Interessen es verhindern, dass wir andere Menschen zutreffend einschätzen.

Der Vermieter, der schon wiederholt nach der Miete fragt wird natürlich nicht allzu positiv gesehen. Er erscheint uns vielleicht geldgierig. Dass die Bank schon zweimal bei ihm angerufen hat und von ihm auch Geld will, das sehen wir ja nicht.

Oder aber wir ärgern uns darüber, dass ein Verkäufer uns ein Produkt das wir haben wollen nicht zum gewünschten Preis anbietet. Der Verkäufer ist ja sowas von unsympathisch, nicht wahr? zwinker
Dass er seinem Sohn halt auch mal ein Fahrrad zum Geburtstag schenken möchte, es bei ihm aber nur gerade so für die Miete und den Haushalt reicht, das sehen wir nicht.

Unsere Erinnerungen und unsere Interessen behindern uns also bei der Wahrnehmung anderer.

Und wie ist es da bei uns selbst?
Sind wir bei der Reflektion über uns selbst nicht noch viel mehr unseren Erinnerungen und unseren Interessen, unserem Wollen ausgesetzt als das bei anderen der Fall ist?

Ich denke schon.
Und genau deswegen ist es oft um ein vielfaches schwerer, sich selbst zu erkennen als andere.

Bei anderen würden wir ja oftmals recht schnell erkennen, wenn dieser für den Beruf den er sich wünscht halt einfach aus Gründen nicht geeignet ist, die uns sofort auffallen. Wünschen wir selbst uns hingegen einen bestimmten Beruf, dann blenden wir unsere Unzulänglichkeiten einfach aus, nehmen sie einfach nicht wahr.

Unser Wollen überschattet unsere Wahrnehmung.

Das kann oftmals sogar so übersteigerte Formen annehmen, dass wir Menschen als Feinde betrachten, nur weil sie uns nicht bereitwillig geben, was wir haben möchten. Die Gründe dafür interessieren uns nicht. Oftmals können wir sie gar nicht erkennen, weil wir dem Problem so nahe sind.

Was würden wir machen, wenn es zu einem Streit kommt?

Ja, wir schalten einen Menschen ein, der keinerlei Interessen in unserem Konflikt hat. Weil er keine Interessen für oder gegen uns oder unseren Gegner hat, kann er sie Sachlage relativ unvoreingenommen einschätzen.

Wenn wir uns nun selber erkennen wollen, müssten wir nicht das gleiche tun?

Müssten wir nicht unser Ego, unser Wollen überwinden, damit es uns beim Blick auf uns selbst nicht im Wege steht?

Liebe Grüße

Eric




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