Re: Mein Sehnen nach Nähe – ich wünsche mir Abstand
Geschrieben von Marah am 13. November 2009 20:05:57:
Als Antwort auf: Mein Sehnen nach Nähe – ich wünsche mir Abstand geschrieben von Kyrill am 13. November 2009 12:00:43:
Hallo KyrillSchöne Gedanken, kann ich gut nach voll ziehen.
Macht mich im moment ein bißchen traurig, weil ich mich sehr nach partnerschaftlicher Nähe sehne.
Aber ich kenne es ganz gut, diese tiefe Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und dann wird mir plötzlich alles zuviel
und ich brauche Zeit für mich alleine.
Ich glaube das es wichtig ist mit sich alleine klar zu kommen und sich auch wohl zu fühlen, für sich gut zu sorgen.
Aber Geborgenheit selber geben ?
Ich fühle mich geborgen wenn ich mich angenommen, gemocht fühle, das können auch mal gute Freunde sein die mir das Gefühl geben.
Und ich freue mich, das ich es mittlerweise fühlen und auch annehmen kann.
Ich habe als Kind keine Nähe gehabt und später andere Menschen bewußt und unbewußt auf Abstand gehalten.
(Meinen leiblichen Vater habe ich nur einmal gesehen, er will den Kontakt nicht und meine Mutter hat mich immer auf Abstand gehalten)
Ich war eigentlich mein ganzes Leben ein sehr einsamer Mensch und das würde ich echt gerne ändern.
Manchmal habe ich das Gefühl je weiter ich komme, heile, verarbeite, desto einsamer fühle ich mich,
früher habe ich das einfach nicht so gemerkt.
Ich glaube ich muß richtig Nähe zulassen erstmal lernen.Naja, und brauche natürlich jemand der auch damit klar kommt, das ich mich auch mal verkriechen muß, Abstand brauche
Liebe Grüße von Mara
>In den meisten der hier vorliegenden Gedanken geht es um: Ich wünsche mir Nähe. Was ist mit: ich wünsche mir Abstand? (Gruß an kleine Raupe: Danke für Deine Zeilen; deren Name ich schön finde und ich weiß: Du bist nicht klein)
>Ich glaube nicht, dass beides unvereinbar ist – im Gegenteil, die Ausgewogenheit beider Anteile erscheint mir wichtig. Und sie ist mit Sicherheit etwas sehr persönliches. Leichter ist es, so ich alleine bin. Was geschieht nun, so ich in einer Partnerschaft lebe? Was hat mich möglicher Weise geprägt in der Sehnsucht nach Nähe und/oder Abstand?
>Als Zwillingsgeborener bin ich es gewohnt immer ein „zweites Herz“ zu hören. Genauer gesagt ein drittes, denn zwei Herzen hören wir alle, beim Heranwachsen im Mutterleib.
>Wenige Jahre nach der Geburt beginnt das Kind einen Unterschied zwischen sich und seiner Umwelt zu entdecken. War bisher alles eins – kommen jetzt Unterschiedlichkeiten zum Ausdruck. Das Kind beginnt sich im Unterschied zu seiner Umwelt zu begreifen, erfährt Grenzen, nicht immer zur Freude.
>Manche Mütter und Väter finden dies gut. Manche nicht, dass hier die Väter in unserer Kultur eher auf der einen Seite und die Mütter meist eher auf der anderen Seite stehen, macht nicht wirklich einen Unterschied. Nicht in diesem Thema – nicht für das Kind. Wirklich nicht? Was ist mit Vätern die durch Abwesenheit ihren Eindruck hinterlassen? Wie wirkt sich das später auf uns als Frau oder Mann aus? Wie das Wirken unserer Mutter?
>In der Pubertät beginnt die nächste Abgrenzung: hier schon stärker. Ich vermute, dass sie massiver wird, je weniger das: „hier bin ich und ich bin anders als ihr alle“, Beachtung gefunden hat. Mein Kind ist jetzt 10, ich werde sehen…
>Liebe kann erdrücken. Ein Kind das seine Welt entdeckt und plötzlich in die Arme genommen wird, ein Kind das für sich alleine spielt und unterbrochen wird – all das hat, so meine ich eine Auswirkung auf mein späteres: ich suche Nähe – ich will Abstand.
>Für Kinder ist Geborgenheit lebenswichtig und es tut alles um diesen Hunger zu stillen!
>Ein Hunger nach Nähe im erwachsenen Alter, ist dieser auf einen Kindeshunger nach Liebe zurück zuführen? Ich spreche von Hunger und meine damit: ich „verhungere“ so ich es nicht bekomme – und klammere. Was meist zur Folge hat, das der andere geht – oder bleibt da auch er oder sie diesen Hunger hat. Doch was passiert so zwei hungrige Menschen aufeinander treffen? Kann einer den Hunger stillen, der selber Hunger hat? Ich meine: Nein. Wie kann ich nun meinen Hunger nach Nähe stillen, die ich als Kind suchte und nicht bekam? Ich meine: „in-dem-mit-mir-selber-gut-sein“. Und in einer erfüllten Partnerschaft. Sonst könnte ich wohl bis zu meinem Lebensende warten. Ich sehe es nicht als zwangsläufig an, dass nur zwei „perfekte Menschen“ eine erfüllte Partnerschaft führen können.
>„Abstand, wo bleibst du, so ich mich doch nach Nähe und Geborgenheit sehne?“ Ich hoffe nicht auf der Strecke, da erscheint mir mein unglücklich sein bereits vorprogrammiert. Eine Mutter, die ihr Kind erdrückt. Ein Mensch, der später Nähe nicht zulassen kann? Für mich liegt das sehr nahe. Wie kann ich nun lernen, dass mein Gegenüber mich nicht erdrücken will, das da nur alte Erinnerungen aktiviert wurden?
>Eine langsame Annäherung nach Nähe und nach Abstand, als ein Spiel, wie in einem Tanz: du bist mir nah – du bist mir fern und doch tanzen wir miteinander, kann ich mir gut vorstellen.
>Ein miteinander reden ist wohl für diesen Lebenstanz in einer Partnerschaft „überlebenswichtig“.
>Liebe Grüße
>Euer Kyrill
- Re: Mein Sehnen nach Nähe – ich wünsche mir Abstand Kyrill 13.11.2009 22:13 (1)
- Re: Mein Sehnen nach Nähe – ich wünsche mir Abstand Marah 14.11.2009 19:57 (0)