Re: Loslösung von den Eltern ***triggergefahr***
Geschrieben von Nimis am 07. November 2008 08:12:48:
Als Antwort auf: Re: Loslösung von den Eltern ***triggergefahr*** geschrieben von gummientchen am 06. November 2008 17:17:06:
Hallo quietschendes Gummientchen!
Die Frage ist, glaube ich, nicht ob die Wunden heilen, sondern wie. Das, was passiert ist, kann durch nichts verschwinden. Das ist in uns und wir werden damit leben müssen.
Lass es mich mal so zu erklären versuchen:
Mit äußerlichen Wunden ist es so: damit sie heilen können, müssen sie sauber gehalten werden, sie brauchen Luft und müssen in Ruhe gelassen werden. Es nützt nichts, zu demjenigen, der Dir die Wunde zugefügt hat, hinzugehen, die Wunde zu präsentieren (wobei sie möglicherweise immer wieder aufgeht!) und zu brüllen: "Sieh, was Du getan hast! Entschuldige Dich, damit ich Dir verzeihen kann!" Davon heilt doch die Wunde nicht. Die Narben werden nur sehr unschön, wenn der Heilungsprozess so schwierig verläuft.Wut ist gesund und wichtig. Klar sollst und darfst Du wütend sein. Und natürlich kannst Du auch, wenn es Dir hilft, die Auseinandersetzung suchen. Bist Du denn dafür schon stabil genug? Ich kann ja nur über mich reden... Ich weiß, ich wär gern wütend und habe schon oft davon geträumt, alle anzubrüllen und ihnen mal die Meinung zu sagen. Aber ich muss eingestehen, dass ich in einer echten Konfrontation wie ein kleines Kind zusammenfallen würde. Das wäre einfach zuviel. Scham, Hilflosigkeit, Geliebtwerdenwollen, Verstandenseinwollen, Schuld, ...
Ich habe vor einiger Zeit etwa 8-9 lange Briefe geschrieben an Menschen aus meiner Familie. Habe ihnen aufgeschrieben, was mir passiert ist, also einen kleinen Teil davon, wie "es" anfing. Es war schwer, zu schreiben ohne dabei die ganze Zeit auf die oder den, die den Brief bekommen würden, Rücksicht zu nehmen und mich nicht schon während des Schreibens innerlich dafür zu entschuldigen.
Überleg mal, wie weit sie es gebracht haben! So weit, dass ich, wenn ich darüber nachdenke, was mir angetan wurde, mich bei denen, die daran beteiligt waren, dafür entschuldige, dass ich sie damit "belaste". Ja geht's denn noch?!Die Briefe abzuschicken war eine Riesenerleichterung. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe und so einiges geklärt habe für mich. Trotzdem muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass es nicht meine Aufgabe ist, mich um meine Familie zu kümmern, die mich im Stich gelassen hat! Das wäre natürlich eine aufopferungsvolle, heiligengleiche Lebensführung. Zum Beispiel könnte ich doch meiner Oma, die es gewusst hat, aber soviel durchgemacht hat, helfen, ihren Mann (einer der T*ter) zu pflegen, der jetzt alt und krank vor sich hinvegetiert.
Ich denke, dass muss jede/r für sich entscheiden, welcher Weg der "heilsamste" ist. Du kannst jedenfalls den Kontakt abbrechen, es liegt bei Dir. Es ist Deine Entscheidung. Du kannst ihn ja auch wieder aufnehmen irgendwann, einfach eine "Pause" machen, um Dich zu sortieren. Und mal versuchen herauszufinden, was von Deinen Bedürfnissen nach Nähe zu diesen Menschen vielleicht eher einem anerzogenen schlechten Gewissen entspricht als dem, was DU brauchst...
Innerlich mit jemandem zu kündigen, wie Du es schreibst, das wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Du kannst nur versuchen, das Bild oder den Platz, den jemand in Deinem Herzen einnimmt, zu ändern, indem Du ihn oder sie zum Beispiel vom Sockel runterholst und mit Dir auf gleiche Höhe stellst...Vergebung... also da bist Du bei mir an der falschen Adresse. Ich habe noch genug damit zu tun, mir selbst zu vergeben, dass ich so dämlich war die ganzen Jahre und dass ich es heute einfach nicht schaffe, klarzukommen... Verstanden und vergeben habe ich schon als Kind, sonst hätt ich das alles überhaupt nicht aushalten können. "Vergibst" Du denn Frauen, von denen Du aus den Nachrichten hörst, sie haben ihre Kinder zu T*de gepr*gelt? Oder M*nnern, die Kinder entf*hren und verg*w*lt*gen? Vergeben und vergessen bzw. im Stichlassen der Opfer gehören für mich zusammen. Da bin ich klar parteiisch, seit ich in meiner Arbeit immer wieder mit Situationen zu tun habe, wo klare Stellungnahme und Konsequenz gefragt sind.
"Ja, sie hatten es halt auch schwer, schlimme Kindheit und so... Stress... Überforderung..." Tut mir leid, nein. Vergebung hieße für mich, zu akzeptieren, dass "sowas mal passieren kann". Nochmal: tut mir leid, nein. Jeder Mensch ist für sich und seine T*ten verantwortlich.Liebe Grüße
Nimis
- Re: Loslösung von den Eltern ***triggergefahr*** gummientchen 08.11.2008 16:39 (2)
- Re: ***triggergefahr*** Nimis 09.11.2008 10:00 (1)
- Re: ***triggergefahr*** gummientchen 15.11.2008 19:34 (0)