Re: Narben

Geschrieben von TchorT am 15. November 2010 20:28:37:

Als Antwort auf: Re: Narben geschrieben von Eric am 15. November 2010 00:26:50:

Hallo Eric,

ich bin der Meinung, dass hier ein Missverständnis vorliegt.

Eine Person, die eine dissoziative Störung hat, egal in welcher Form oder Stärke, hat eine lange Zeit, vieleicht eine sehr sehr lange Zeit keinen Kenntnisstand.

Narben und somit Schäden, die wohlmöglich im jungen Kindesalter entstanden, sind vorhanden. Folglich definieren diese Narben auch für eine sehr lange Zeit, temporär, die Zukunft.

Es kommt zu Konzentrationsschwächen, Lernschwierigkeiten und Behinderungen in der Entwicklung. Die schulischen Leistungen sind nur Durchschnitt oder unter dem Durchschnitt und somit wird der gesamte soziale Status beeinflusst, ergo auch die Zukunft.

Entwertungen und Schwierigkeiten, ein Fragment von Selbstwertgefühl aufzubauen sind weitere Folgen - definieren die Zukunft.

Hier nun zu äußern, ein Kind bzw. der Herranwachsende hätte in dieser Phase einen "Kenntnisstand", und könnte seine Entwicklung bestimmen, ist anmaßend.

Ebenso anmaßend empfinde ich deine Äußerung:

"jeder trifft jeden Tag Entscheidungen für sein Leben."

Dieses trifft mit Sicherheit auf Personen zu die gesund sind, und auch auf Personen, die an sich gearbeitet haben, etwas "aufgearbeitet" haben und somit einen Kenntnistand erlangt haben, ihr Krankheitsbild verstehen und somit selbständig kontrollieren können.

Bis zu diesem Erkenntnisstand, besonders bei Kindern, aus denen kranke Erwachsene werden, definieren Narben sehr wohl die Zukunft. All dieses war, von Anfang an, in einer Temporären Sicht zu verstehen. Ich bin etwas überrascht auf dieser Seite, eine solche Äußerung von dir zu lesen.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die nach erfolgreichen Therapien und einer wirklich beachtlichen Leistung bezüglich ihrer "Heilung" - ihrer Krankheit, in einer Form von Hochmut anderen versuchten zu erklären, wie "leicht" doch alles ist. Diejenigen, die sich von Erkenntnis und Wissen bezüglich Ihrer Krankheit nähren konnten sollten vorsichtig sein mit "Ratschlägen" denn diese sind auch "Schläge".

Dieser Spruch: "Narben sind Zeichen für unser Erlebtes, doch sie definieren nicht unsere Zukunft." ist eine Erkenntnis, die auf dem Wege der Heilung erlangt wird.

Du stellst diesen Spruch in einem direkten Bezug auf dich, mit deinen Erkenntnissen und Erfahrungen - deinen Kenntnisstand - und äußerst:

"Das wäre dann so, als wollten wir am Leben gar nicht mehr teilnehmen, oder?"

Ja Eric, solche Menschen soll es wirklich geben, die in ihrer Krankheit nicht mehr am Leben teilnehmen, weil gerade "Die Narben ihres Erlebten, ihre Zukunft definieren" - temporär gesehen.

Mehr war von Anfang an nicht gemeint.

Bezüglich deines Eintrages, mag dir Jeder der auf dem Wege der Heilung ist, sich geheilt fühlt - Recht geben.

Viele Grüße

TchorT


>Lieber TchorT,
>jeder trifft jeden Tag Entscheidungen für sein Leben.
>Wer von uns kann schon sagen, dass er sich wirklich aller Auswirkungen dieser Entscheidungen bewusst ist? Oft bewirken unsere Entscheidungen ein Gegenteil von dem, was wir damit bewirken wollen.
>Aber kann die Konsequenz daraus sein, dass wir gar keine Entscheidung mehr treffen, weil wir nicht den "Kenntnisstand" haben, um alle Auswirkungen zu kennen?
>Das wäre dann so, als wollten wir am Leben gar nicht mehr teilnehmen, oder?
>Für mich wäre es wesentlich entmutigender, wenn mir jemand sagen würde, ich könnte keine Entscheidungen für mein Leben treffen, weil ich nicht den nötigen Kenntnisstand habe.
>Auch wenn wir uns entscheiden, nichts mehr zu entscheiden, so ist auch das wieder unsere eigene Entscheidung, mit der wir bestimmen, wie unser Leben verlaufen wird.
>Für mich ist es viel wichtiger zu sehen, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen hatten, damit wir Fehler bei den nächsten Entscheidungen korrigieren können.
>Liebe Grüße
>Eric




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