Missbrauch mit dem Missbrauch !!??

Geschrieben von blackroselila blackroselila am 12. November 2010 06:05:25:

Hallo, mal wieder!
Bin seit 02.00 Uhr wach (Grund ??), nach halbstdl. Grübeln habe ich mich entschlossen, aufzustehen, PC angemacht, wollte hier ins Forum, habe mich dann doch zunächst für Telefonseelsorge-Telefonat entscheiden, ca. halbstd. Telefonat mit Telefonseelsorge-Mitarbeiterin, nochmaliges Grübeln und nun Forum-Schreiben.
Zu o.g. Grund (??): letzten Montag feierte meine Tochter Thea Geburtstag ( sie wurde 11 Jahre alt) mit 7 Gästen, alles Schulkameradinnen und ihr Freund. Gegen 17.00 schickte ich sie aus der Wohnung nach draußen zum (gewünschten) Räuber-und-Gendarm-Spiel um die Pizza z. Abendessen vorbereiten zu können.1/2 Std. war vereinbart an die sich die Kids auch hielten. Dann kamen alle geschlossen zurück, Theas beste Freundin weinte, alle redeten wirr durcheinander, waren sehr verstört. Im Sprach-Kuddelmuddel-Entwirren konnte ich herausfiltern, dass Theas beste Freundin sich beim Spiel beim gegenüberliegenden Tiergehege versteckte (sie alleine), ein fremder Mann sie von hinten an der Schulter packte und u.a. sagte: „Wenn du jemandem etwas erzählst, bist du morgen tot!“ Bzgl. des „u.a.“ habe ich bis dato (bewußt!) noch nicht rechechiert!
Das Mädchen hatte geschrien , konnte sich – erfolgreich- losreißen u. ist zu den anderen gerannt und danach eben zu mir. Die anderen hatten ihre Schreie (Hilferufe) zwar gehört, aber gemeint, dies gehöre zum Spiel.
Daraus resultierte zunächst ein Gedanken-Kuddelmuddel meinerseits (soll ich sofort zum Tiergehege rennen u. nachschauen?, soll ich sofort zu der von 2 Geb.tagskindern verdächtigten Familie 3 Häuser weiter gehen, deren 18jähriger Sohn bereits in der Vergangenheit verhaltensauffällig war?...). All diese Gedanken verwarf ich sehr schnell u. kümmerte mich zunächst um die Kids (hinsitzen, der Reihe nach erzählen lassen, zuhören, Trost/Lob/Ermutigung spenden, den Kids wieder eine kurze „Auszeit von meiner Person“ für vorhandenen „Unter sich- Gesprächsbedarf“ geben, erneut die Befindlichkeiten/Stimmungslage checken, langsam wieder zur „Normalität“ inform von „Ablenkung“ durch ein gemeinsames Spiel kommen...
Stress pur für mich (und die Kids) mit dem Fokus auf: Ruhe bewahren, nicht auch noch in Panik verfallen, Ruhe herstellen (so weit möglich)!!!
Da es bei uns Ritual ist, die Kinder nach einer Geb.tagsfeier persönlich nachhause zu begleiten, taten wir dies auch und mir war es ein Anliegen, die Eltern der Gastkinder über „den Vorfall“ zu informieren. Ebenso informierte ich die Eltern (-teile) über die verschobene Bastelaktion, welche aufgrund „dieses Vorfalles“ nicht mehr stattfinden konnte, worüber die Kinder jedoch sehr traurig waren (also war klar, dass wir dies zu einem späteren Zeitpunkt im selben Rahmen nachholen).
Am selben Abend unternahm ich zunächst mal nichts mehr, außer natürlich darüber nachzudenken. Meine Tochter wollte diese Nacht -seit langem wieder- bei mir im Bett schlafen, was ich auch zuließ.
Am nächsten Tag folgten div. Telefonate; u.a. mit der Mutter des belästigten/bedrohten Mädchens.
Mit ihrer Erlaubnis setzte ich dann folgendes Schreiben auf, welches ich dann gestern, gemeinsam mit meiner Tochter, in alle Briefkästen in unserer Straße warf:
- Zum Schutze unserer Kinder -

Da ein 11jähriges Mädchen letzten Montag (08.11.2010) gegen 17.30 Uhr beim Bollenbacher Tiergehege von einem unbekannten Mann belästigt und bedroht wurde, möchte ich Sie bitten, gemeinsam wachsam zu sein, damit derartige Vorfälle nicht weiterhin passieren.
Diesbzgl. möchte ich hier einige Interview-Auszüge mit einem Polizeispezialisten beifügen, der erläutert, dass sich mit einfachen Mitteln oft viel erreichen lässt - für andere und zum eigenen Schutz.
„Keiner sollte weg gucken - jeder sollte helfen. Man kann häufig mit ganz einfachen Mitteln viel erreichen. Beispielsweise kann man Opfer und Täter entgegenrufen, dass die Polizei unterwegs ist. Im Idealfall versucht man auch andere Helfer zu mobilisieren. Es gilt: Immer Öffentlichkeit herstellen.
Als erstes sollte man versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen. Dann geht es darum, die bereits angesprochene Öffentlichkeit herzustellen. Täter und Opfer müssen wissen, dass sie nicht alleine sind. Beim Einbinden von anderen Menschen helfen klare Anweisungen wie: „Sie im blauen Pullover, rufen Sie die Polizei!“ Wenn man in öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs ist, kann man die Notbremse ziehen oder dem Opfer einen Platz in der Nähe anbieten. Der Täter merkt, es ist Hilfe da und die Polizei alarmiert. Das ist ein klares Stopp-Signal. In den meisten Fällen reicht das vollkommen aus, damit er von seinem Opfer ablässt.
Ich kann aber sagen, dass wir generell den Tipp geben, den Täter nicht anzugreifen, weder verbal noch körperlich. Ganz im Gegenteil: Man sollte sich vom Täter weg bewegen, sich ihm entziehen und auch versuchen das Opfer von ihm wegzuholen. Man sollte auch nicht versuchen, eine Flucht zu behindern.
Primäres Ziel für die Helfer ist es, das Opfer in Sicherheit zu bringen. Die Festnahme ist die Aufgabe der Polizei. Und man muss auch bedenken: Wenn ein Täter in die Flucht geschlagen wird, dann ist er verunsichert. Er will einfach nur noch weg. Dann ist er auch unberechenbar in der Wahl der Mittel, um dies zu erreichen. Daher sollte ich mich eher darauf konzentrieren, mir sein Aussehen, seine Kleidung und seine Fluchtrichtung zu merken z.B. welchen U-Bahn-Ausgang er nimmt. All das sollte ich dann umgehend per Handy der Polizei weitergeben.
Ich würde jedem empfehlen, sich in einem Kurs auf eine potentielle Gefahrensituation vorzubereiten. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass ich jemals in eine solche komme.
Daher ist es umso besser, einmal ein Verhaltensmuster zu lernen, damit ich im Fall der Fälle mir und anderen helfen kann.“
Anmerkung: Am Mo., 29. November 2010/ 19.30 Uhr findet in der Heinrich-Hansjakob Schule Haslach ein Elternabend mit dem Thema „Starke Kinder“ statt. Referentin ist Klaudia Werfers aus Haslach, eine Mitarbeiterin der WSD-Pro-Child e.V.
Unter folgender Internetadresse können Sie mehr Informationen dieser Organisation und deren Projekte einholen:
www.wsd-pro-child.de

Susanne Bächle

Obwohl diesbzgl. in der Zwischenzeit noch sehr viel mehr lief, möchte ich mich aufs Wesentliche beschränken, damit ihr -falls möglich- den Kontext versteht! Die Mutter des betroffenen Mädchens hat „den Vorfall“ mittlerweile der hiesigen Polizei gemeldet ( war zum Glück auch gar kein Thema für sie)!!!

Was mich nun (gestern abend und heute nacht) umtreibt, nicht zur Ruhe kommen lässt ist ein Anruf einer Mutter gestern abend aufgrund dieses Briefkasten-Schreibens. Ihre erste Frage an mich war: „Ich rufe dich an, weil ich wissen möchte, wie ernst „das“ zu nehmen ist!“ Weitere Fragen/Kommentare von ihr: „Du weißt ja, Kinder verdrehen als mal was!“ „Warum hast du diesen Zettel nicht an alle Häuser in Bollenbach verteilt (sondern nur in unserer Straße)?“ „Hat der Mann das Mädchen „nur“ an der Schulter angefasst, was ist denn genau passiert...?“
Mir stieg in Sekundenschnelle die Galle, ich mußte mich soooo zusammenreißen, sachlich u. freundlich zu bleiben, mußte/wollte ständig in mich reinhören, was denn nun an Kommentaren/Antworten/Rechtfertigungen meinerseits für mich stimmig sind. Ich hab`s geschafft, dieses Telefonat auf der sachlichen Ebene zu beenden (KEINE Einzelheiten zum „Vorfall“, Verweis auf die betroffene Mutter des betroffenen Mädchens, Verweis auf den Briefkasten-Schrieb (dass dieser m.E. informativ genug sei!) aber...
…. ich koche immer noch, hab eine Stinkwut, würde am liebsten laut schreien!!!
Mit derartigen Konsequenzen habe ich nicht im geringsten gerechnet. Mit derartigen Konsequenzen meine ich, dass ich Anrufe bekomme mit solch ignoranten, unverschämten, verständnislosen... Fragen und Kommentaren (es gab noch andere Anrufe, aber die waren weitgehenst o.k. für mich) UND dass mich das dann noch so aufreibt, umtreibt, ich sogar somatisch (mit Magenschmerzen) reagiere!!!!
Ich kann gerade nicht mehr weiterschreiben, setze diesen Text jetzt erst mal ab und schick ihn ins Forum!
Vielleicht zum gegebenen Zeitpunkt mehr dazu!!
blackroselila

Alles was man vom Leben lernen kann ist in 3 Worte zu fassen. „Es geht weiter!“




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