Falsche Sympathie mit dem Mitgefühl
Geschrieben von TchorT am 14. April 2012 22:57:29:
Wenn ich lese, wie hier mit dem Wort "Mitgefühl" förmlich um sich geworfen wird, kann einen schon anders werden. Gleiches entsteht, wenn ich die einseitige Darstellung des Mordfalles Lena in Emden sehe.
Hier wird der Versuch unternommen, mit dem Reizwort "Mitgefühl" Sympathien auf sehr unsachlicher Ebene zu erzeugen. Dadurch wird der Thementitel "Der Nutzen des Mitgefühls" in ein ganz neues Licht gestellt. Es könnte dann die Frage entstehen, "Wem" nutzt mein Mitgefühl und warum?
Das Mitgefühl kann somit in einer manipulativen Form zur Ablenkung genutzt werden. Abgelenkt werden kann von der Verantwortung, dem Recht oder der Achtung Menschen gegenüber.
Im Beispiel Mordfall Lena wird hier nur der Teil benannt, der gegen den ersten Verdächtigen Lynchjustiz äußerte. Diesen Jungen gilt ganz klar mein Mitgefühl, weil er auf eine sehr unsachliche und unfaire Art einer Tat beschuldigt wurde, die er nicht begangen hat. Das sich der tatsächliche Täter Monate vorher bei der Polizei selbst anzeigte und dabei benannte dass er sich selbst, aufgrund seiner Neigungen, für gefährlich halte und somit letztendlich um Hilfe bat - wird hier nicht dargestellt. Ebenso fehlt die sachliche Betrachtung der fatalen Folgen daraus, denn durch die Verhinderung dieser schweren Ermittlungspanne hätte die Tat gegen Lena verhindert werden können.
Ein Beitrag dazu hier:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1612288/Ermittlungspannen-im-Mordfall-Lena#/beitrag/video/1612288/Ermittlungspannen-im-Mordfall-Lena
Ich lebe nach dem Grundsatz, dass sich erst dann eine Meinung gebildet werden kann, wenn man alle Fakten sachlich betrachtet hat. Ich habe mit dem Täter Mitgefühl, weil er erkannte, dass er sein Verhalten nicht kontrollieren konnte und aus dieser Angst heraus hat er sich selbst angezeigt – und somit Hilfe erwartet.
Dem Folglich gehört mein Mitgefühl auch Lena, die noch leben könnte, wenn eine schützende Funktion wie die Polizei nicht über Monate versagt hätte.
Sobald Kontroll- oder Exekutiveinrichtungen wie Kirche und Polizei kritisch hinterfragt werden im Umgang mit Straftätern oder der mehr als mangelhafte Schutz durch solche Einrichtungen für Kinder in der Gesellschaft aufgezeigt wird, wird fehlendes Mitgefühl, Wut oder ähnliches unterstellt. Ferner wird gefordert, man sollte erst mal das leben, was man von anderen erwartet und es werden Vergleiche mit dem Täter erhoben bzw. man wird absurder weise gleich selbst zum „Täter“.
An dieser Stelle wird deutlich, dass mit dem Wort "Mitgefühl" auch Themen vernebelt werden können bzw. von Verantwortung abgelenkt werden kann.
Was bedeutet dieses Vernebeln oder Ablenken??
Durch das Einreden von fehlenden Mitgefühl oder dem „Mutieren zum Täter“ können Menschen klein gemacht werden und so in den negativen Fokus gerückt werden. Auf der anderen Seite erzeugt man dann Reizwörter („Mitgefühl“) und diese sind unermüdlich zu wiederholen, weil das bloße Wiederholen eines Reizes genügt, um Sympathie auszulösen.
Was ist die Folge daraus??
Es wird abgelenkt von dem Versagen der Einrichtungen, die eigentlich die schwächsten in unserer Gesellschaft schützen sollen – unsere Kinder schützen sollen.
Hier wird geäußert, dass die Fähigkeit Mitgefühl zu unserem Mitmenschen entwickeln zu können das ist, was uns von unbelebten Objekten wie beispielsweise Maschinen unterscheidet. Widersprüchlich ist, dass dann an anderer Stelle wieder in einer absolut "wissenden und kollektiven Form" ein "unbewusster" Schalter eingeredet wird, der dann wohl doch eher "maschinell" ist.
Ich für meine Person weiß, dass ich einen solchen Schalter nicht besitze, weil ich im Versuch bin mein Mitgefühl nicht "unkontrolliert schalten und walten" zu lassen. Dieses bedeutet, dass mein Mitgefühl ständig vorhanden ist – ich muss es aber nicht Plakativ vor mir hertragen und ständig artikulieren. Warum dieses so ist, schrieb ich bereits.
Es wird die These „Mitgefühl ist Menschlichkeit ist Leben“ aufgestellt und mit Verlaub, sie klingt wie eine plakative Kirchenpredigt.
Menschlichkeit ist in erster Linie die Achtung von Leben – das Mitgefühl ergibt sich mit dieser Achtung.
Leben ist ein Recht, weil ein jedes Lebewesen auf diesem Planeten „lebensberechtigt“ ist.
Dieses Recht ist in unserem Rechtsstaat durch Gesetze geschützt und wird durch Exekutive (Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte) und durch geistliche Moralinstanzen (Kirche) gewahrt – im Idealfall!!!
Dass viele Fälle anders liegen und vor allem anders behandelt werden sehen wir am Fall Lena, am Fall Kirchen, und vielen unzähligen mehr. Mit unserem Mitgefühl werden wir ein Versagen der genannten Instanzen nicht verhindern und so werden auch keine künftigen Vergehen gegen Kinder verhindert.
Einzig eine kritische und sachliche Betrachtung, die immer wieder in den öffentlichen Fokus gerichtet werden muss, kann künftiges Versagen der Ordnungs- und Schutzeinrichtungen in unserer Gesellschaft verhindern.
Mein Mitgefühl gilt den zu Unrecht verdächtigten jungen Mann, Lena und Lenas Täter, dem nicht geholfen wurde obwohl er sich selbst anzeigte und um Hilfe bat.
Diesen Personen soll mein Mitgefühl nutzen und nicht dazu „genutzt“ werden, um Missstände bei Polizei und Kirche weiterhin zu vernebeln oder von deren Verantwortung abzulenken…
TchorT
- Re: Falsche Sympathie mit dem Mitgefühl Eric 15.04.2012 13:07 (1)
- Re: Falsche Sympathie mit dem Mitgefühl TchorT 02.06.2012 14:31 (0)