Re: Verzeihen aber nicht entschuldigen - TRIGGERGEFAHR

Geschrieben von Nadja am 31. März 2012 17:35:56:

Als Antwort auf: Re: Verzeihen aber nicht entschuldigen - TRIGGERGEFAHR geschrieben von Molly am 26. März 2012 10:31:07:

Liebe Molly,
Du bist nicht schuld daran, was Dir passiert ist.
Keine Betroffenen von seelischer, körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt sind schuld daran, was ihnen passiert ist.
Wenn ein Trauma nicht ausreichend bearbeitet wird, treten aber Folgen für Körper und Seele auf. Eine dieser Folgen ist, dass Du Dir selbst die Schuld an dem gibst, was passiert ist, und dass Du Dir selbst nicht verzeihen kannst.
Diese Folgeerscheinung hat weitere Folgeerscheinungen, die leider sehr häufig zu beobachten sind. Das Selbstwertgefühl wird gering, sich selbst anzunehmen ist schwierig.
Es besteht die Gefahr, sich für alles schuldig zu fühlen, was im Leben nicht so läuft, wie es wünschenswert wäre.
Wichtig finde es hier, sich selbst gegenüber toleranter und sanftmütiger zu werden.
Dann werden auch Ärger- und Wutgefühle mit der Zeit weniger werden, oder lassen sich sogar ganz auflösen.
Außerdem sind die Aufarbeitung des Traumas und die psychologische Arbeit mit dem inneren Kind meiner Meinung nach sehr wichtig, um diese Folgeerscheinungen zu überwinden.
Du könntest z.B. durch Imaginationen das "innere Kind", wenn es ängstlich, hilflos oder wütend ist, beruhigen und stärken. Dieses führt zu mehr emotionaler Sicherheit, und es kann auch dazu führen , dass wir uns selbst "nichts mehr nachtragen". zwinker

Liebe Grüße
Nadja


>wie kann ich mir selbst verzeihen? Wie kann ich den Wut, den Hass und die Angst los werden? Ich kann mir nicht verzeihen, den Tätern nicht verzeihen und auch all denen nicht, die zugelassen haben das es so weit kommt. Mich eingeschlossen.
>Warum war ich nicht wie meine Schwester und habe mich bis zum letzten gewehrt? Warum habe ich mir unsichtbare Ketten anlegen lassen?
>Wie es aussieht kann ich nicht einmal mir selbst verzeihen, ganz zu schweigen davon, jemand anderem.
>Dennoch danke ich dir für deine Antwort, sie hat mir vielleicht einen guten Denkanstoß gegeben.
>Gruß
>Molly
>>Liebe Molly,
>>die Taten der Täter sind und bleiben schrecklich und unmenschlich.
>>Das Verzeihen, welches wir hier diskutieren, hat mit einer "Entschuldigung der Tat" nichts zu tun. zwinker
>>Verzeihen definiert als "nichts mehr nachtragen" steht in keinem direkten Zusammenhang zum Täter.
>>Denn dem einzigen Menschen, dem wir Schmerzen zufügen, wenn wir nicht verzeihen, sind wir selbst.
>>Denn ich finde, wir sollten uns selbst wichtig genug sein, um zu verzeihen, was uns passiert ist.
>>Wir sollten uns selbst "nichts mehr nachtragen", z.B. keine Selbstverachtung mehr empfinden.
>>Wenn wir unser Trauma aufgearbeitet haben, dann lassen sich z.B. Gefühle wie Wut, Hass oder auch Angst endgültig in uns auflösen, indem wir verzeihen, was uns passiert ist.
>>Liebe Grüße
>>Nadja
>>>Liebe Schotterblümchen,
>>>ich gebe zu, ich habe nicht alle Forenbeiträge gelesen, weil mich das im Moment wohl überfordern würde. Erst am Samstag hatte ich mit meiner Schwester, der einzigen aus meiner Familie, mit der ich über das Geschehene gesprochen habe, ein Gespräch über das Thema Verzeihen.
>>>Nun bin ich in der Situation, dass die Täter tot sind, doch ich denke, auch wenn sie noch leben würden, könnte ich ihnen nicht verzeihen. Nicht, wenn ich keine ehrliche Reue von ihnen erfahren würde. Vielleicht nicht einmal dann. Einer von ihnen war schon übergriffig, als meine Großmutter noch eine junge Frau war. Er hat das immer so gemacht und nie als falsch empfunden.
>>>Vielleicht stellt sich bei mir auch eher die Frage, ob ich meinen (Groß-)Eltern verzeihen kann. Sie haben gewusst wie diese Menschen sind. Auf meine Frage, warum die dennoch zu Feiern eingeladen waren bekam ich die Antwort "Ich konnte sie doch nicht ausladen, sie gehören zur Familie." Scheiß drauf!!!
>>>Sorry, aber das macht mich echt wütend. Jahrzehnte lang haben sich die Frauen meiner Familie von diesen Männern belästigen lassen (müssen) und nichts unternommen. Verdammt, das hätte mir alles erspart werden können. Zu allem Überfluss wurde mir noch eingeimpft ich dürfe mich nicht wehren. "Das sind Erwachsene. Zeig ein bisschen Respekt." Wie soll ich das verzeihen?
>>>Scheiße, jetzt heule ich.
>>>Ich wünschte, ich wäre wie meine Schwester, der es immer egal war, was unsere (Groß-)Eltern gesagt haben. Sie hat sich trotzdem gewehrt. Das habe ich mich nie getraut und als ich es einmal getan habe hat mein Vater mich so angeschriehen, dass ich dachte, wenn ich einfach nur still halte wird es schon nicht so schlimm werden. Schließlich hat mein Vater gesagt ich hätte ihn provoziert.
>>>Ach Mist, wie soll ich sowas verzeihen?
>>>Gruß
>>>Molly




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