Re: sicherheit versus angst?

Geschrieben von Eric am 15. Februar 2012 00:08:51:

Als Antwort auf: Re: sicherheit versus angst? geschrieben von Nadja am 12. Februar 2012 14:50:43:

Hallo liebe Nadja,

die Gefahr, eigene Wahrnehmungen zu verleugnen oder noch schlimmer, gar selbst in die Rolle der Täter zu schlüpfen - ganz oder teilweise - sehe ich genauso wie Du.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe schreibst Du von dem Problem, als Kind eine einigermaßen zutreffende Wahrnehmung von uns selbst und unserer Umwelt zu bekommen, wenn diese von Erwachsenen immer wieder erschüttert wird?

Das ist wirklich ein schwieriges Problem. Dabei laufen wir aber Gefahr, als Kompensation dieses fehlenden Welt- und Selbstbildes ins extreme Gegenteil zu schwenken.

Du kennst sicher auch Menschen, die von sich behaupten, ihre Wahrnehmung wäre fehlerfrei?
Das ist an sich schon ein Zeichen großer innerer Unsicherheit.

Selbst Physiker müssen eingestehen, dass es uns grundsätzlich nicht möglich ist, alle Dinge so wahrzunehmen "wie sie sind". Daher können wir immer nur versuchen, unsere Wahrnehmung so gut wie möglich unserer Umgebung und den Dingen, die wir wahrnehmen anzupassen. Ganz wird uns das nie gelingen.

Es ist aber sicherlich ein sehr schwieriger Weg, von der angezweifelten Wahrnehmung unserer Kindheit zu der Erkenntnis zu kommen, dass unsere Wahrnehmung gar nicht vollständig sein kann.

Weil unsere Wahrnehmung früher angezweifelt wurde, können wir der Versuchung leicht erliegen, uns als Abwehr- und Gegenreaktion eine zweifelsfreie Wahrnehmung schaffen zu wollen.

Wenn wir dieser Versuchung erliegen ist die Gefahr groß, zumindest in dieser Hinsicht teilweise in die Rolle der früheren Täter zu schlüpfen.

Liebe Grüße

Eric




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