Re: wütend auf mich
Geschrieben von Marah am 14. Februar 2011 13:46:15:
Als Antwort auf: Re: wütend auf mich geschrieben von Molly am 14. Februar 2011 13:03:28:
>>zur zeit bin ich der meinung dass ich wohl eine wut auf mich selber habe.
>>mir war schon lange klar, dass ich nur einen teil meiner geschichte kenne.
>>nun kamen in den letzten monaten erinnerungen wieder.
>>da es mir jedoch nicht gelingt, diese erinnerungen als wahr anzuerkennen, kann ich sie auch nicht annehmen und loslassen.
>>wütend werd ich daher auch auf so plakate die heisen das schweigen zu brechen.
>>wenn es nicht mal gelingt selber warheit anzuerkennen, wie soll man es von anderen erwarten?
>>eure sehnsucht
>Hallo Sehnsucht,
>das mit den Plakaten kann ich nachvollziehen, auch mich machen sie wütend, wenn auch aus einem anderen Grund.
>Als ich meinem Therapeuten von dem Trauma erzählte hat er mich gefragt warum ich niemals nach Hilfe gesucht habe. Dabei habe ich mich von den Plakaten irgendwie gar nicht betroffen gefühlt. Wenn jemand den du kennst dir sagt du übertreibst, du stellst dich an, dann können ein paar Plakate dich nicht von etwas anderen überzeugen.
>Ich hatte ja nicht einmal den Mut es jemandem zu sagen den ich kenne, weil ich dachte er lacht mich aus. Wie sollte ich es dann einem Fremden gestehen?
>Der psychische Druck, dem Opfer ausgesetzt sind, kann wohl niemand wirklich nachvollziehen, der nicht selbst betroffen ist.
>Gruß
>MollyHallo Sehnsucht, hallo Molly
Ich kann nur von mir sagen, das ich auf meine Art oder so wie es mir als Kleinkind möglich war ganz deutlich um Hilfe gerufen habe, es hat nur niemand zugehört.
Meine Oma hat weggeschaut und als ich zur Schule gekommen bin haben Lehrer meiner Mutter !!Bescheid gesagt, die mich dafür auch noch bestraft hat.
Also habe ich irgendwann gar nichts mehr gesagt und stumm gelitten.
Wenn ich mein Leben zurück drehen könnte, dann würde ich mir wünschen, ich wäre mit 19/20 Jahren in eine Therapie gegangen, ich würde mir wünschen ich hätte das Vertrauen aufbauen können um Hilfe zu bitten, nein das Selbstvertrauen haben Hilfe FÜR MICH zu fordern.
Ich war nur für meine Tochter in der Lage um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen.
Aber ich bin nicht wütend auf mich deshalb.
Ich kam mir damals erwachsen vor, aber ich sehe heute, an meiner Tochter zb, wie jung man eigentlich noch ist und wie sehr man noch Halt von einen Erwachsenen braucht.
Ich kann um die Chancen die ich im Leben nicht hatte trauern und bin auch wütend warum kein Mensch reagiert hat, aber ich bin nicht mehr wütend auf mich.
Ich habe dumme Sachen gemacht, die mir geschadet haben, aber ich habe begriffen das ich so reagiert habe weil ich traumatisiert war und das meine Handlungen, aus meiner Sicht, logisch waren.
Ich kann mich auch nicht an alles erinnern, aber auch das ist ja nur ein Schutzmechanismus
und da bin ich nicht mehr böse auf mich.
Wütend auf die die es mitbekommen haben aber lieber nicht eingegriffen haben
und auch wütend auf die wenn ich heute , nach all den Jahren ein Stück drüber reden kann, mir über den Mund fahren, weil sie es nicht hören wollen
Das ist für mich das Problem an den Plakaten, selbst wenn man redet, es will keiner wissen.Liebe Grüße Mara