Re: Was habe ich versäumt?

Geschrieben von Helena am 18. November 2010 23:22:24:

Als Antwort auf: Re: Was habe ich versäumt? geschrieben von Eric am 18. November 2010 20:31:50:

Hallo Eric,


>Ich glaube wir sollten uns davor hüten, Kinder als Menschen zu sehen, die ihren Verstand nicht benutzen.

ich möchte in diesem Zusammenhang einen heutigen Vorfall erzählen, den meine 10-jährige Tochter erlebt hat, um aufzuzeigen, daß es Momente im Leben eines Kindes gibt, in denen der Verstand nicht mehr greift, weil ein Gefühl so groß wird, daß er ausgeschaltet wird.

Meine Tochter ist donnerstags nach dem Unterricht in der Schülerbetreuung ihrer Schule. Seit mehr als drei Jahren, jeden Donnerstag.
Ich sagte ihr heute, daß ihre Oma sie abholt, da ich zur Arbeit gegangen bin und ihr Papa auf einer Fortbildung ist. Folgendes ist passiert: Sie ist nach dem Unterricht nicht in die Schülerbetreuung, sondern hat auf dem Schulgelände auf ihre Oma gewartet, die aber erstmal nicht kam, denn sie holte sie um 15 Uhr ab, nach der Schülerbetreuung. Mein Kind wartete draußen, es kam niemand, sie lief nach Hause, stand vor der Haustüre, niemand war da und das Gefühl, "ich bin verlassen" wurde immer stärker, sie weinte und lief zur Schule zurück. Sie hat ihren Verstand nicht benutzt, das war zu dem Zeitpunkt gar nicht möglich, da sie in ihrem Bewußtsein lediglich hatte: "meine Oma holt mich ab" aber nicht mehr die Schülerbetreuung. Aus der Erwachsenensicht hätte es einige Möglichkeiten gegeben, daß es nicht zu Tränen hätte kommen müssen. Meine Tochter hat keine Möglichkeit verstandesmäßig sehen können, sie dachte wir haben sie vergessen, wie sie mir heute abend sagte, als wir darüber gesprochen haben.

Andere Kinder hätten ihren Verstand vielleicht in einer solchen Situation benutzen können, hätten bei Nachbarn geklingelt, wären zu einer Freundin gegangen, um im Telefonbuch die Nummer der Arbeitsstätte herauszufinden oder die Telefonnummer der Oma. Meine Tochter vermochte nichts dergleichen, vielleicht, weil sie das Kind einer traumatisierten Mutter ist.....irgendwie erstarrt in einem Gefühl.

Ich fühle mich schlecht, weil ich versäumt habe, ihr drei Worte mehr zu sagen, nämlich :"Oma holt dich NACH DER SCHÜLERBETREUUNG ab".

Auch ich habe meinen Verstand nicht ausreichend eingesetzt, um ihr das zu ersparen.

Helena





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