Re: Eine verflixt gute Frage
Geschrieben von Eric am 20. August 2010 01:48:12:
Als Antwort auf: Eine verflixt gute Frage geschrieben von Molly am 19. August 2010 21:21:57:
Liebe Molly, am Anfang wird der Begriff Heilung vielen wohl fast wie etwas Mystisches erscheinen.
Etwas, das nicht richtig greifbar ist, dessen Konturen nicht sichtbar sind.Aber Heilung ist eigentlich nichts Geheimnisvolles.
Durch das Trauma wurden die Erinnerungen an das Geschehen selbst und die Gefühle dazu bruchstückhaft und unzusammenhängend in unserem Gehirn gespeichert. So kommt es, dass sowohl Erinnerungsfetzen als auch Gefühle auch durch die geringsten Ähnlichkeiten mit der traumatischen Situation immer wieder "hochgeholt" (angetriggert) werden und wir uns dann so fühlen, als wären wir wieder in der Traumasituation.
Das hört sich erst einmal einfach an und ist es auch, aber unsere Angst vor diesen Erinnerungen kann unser Leben ganz schön durcheinander wirbeln und uns hindern das zu machen, was wir gerne möchten.
Wir brauchen also Mut, um uns dem Trauma zu stellen, statt unser Leben lang vor ihm weg zu laufen.
Jedoch reicht die von der Kasse bezahlte Verhaltens- oder Gesprächstherapie in vielen Fällen nicht aus, um ein Trauma wirklich zu integrieren. Denn sie spricht nur "eine Hälfte" des Menschen an: den Verstand.
Ziel sollte es sein, die abgetrennten Erinnerungen an Ereignisse und die zugehörigen Gefühle wieder "zusammenzukleben", um sie dann ordnungsgemäß in unsere Erinnerungen einordnen zu können. Dann haben die Gefühle einen festen Platz in der Vergangenheit, wo sie hin gehören und werden nicht ständig immer wieder in völlig unpassenden Situationen hervor geholt.
Dafür gibt es ganz verschiedene Ansätze, von Gestalttherapie, EMDR bis zum "Somatic Experiencing". Und sicher noch einige andere. Manche Therapeuten erklären sich bereit, so etwas in der normalen, von der Kasse bezahlten Therapie zu machen, obwohl sie es eigentlich nicht dürften.
Aber wie gesagt: er erfordert Mut, sich erst einmal wieder absichtlich mit dem Trauma zu beschäftigen.
Viele traumatisierte Menschen verfallen in den Irrtum, sich gegen das Trauma zu stemmen.
Sie interpretieren das als "stark sein", wollen das Trauma bekämpfen.
In Wirklichkeit rauben sie sich selbst durch diesen Kampf oft die letzte Kraft, die noch verblieben ist.Denn dieser "Kampf" versetzt den Menschen in ständigen Stress.
Stress kann jeden Menschen auf Dauer zermürben, auch wenn er nicht traumatisiert ist.Es ist also oftmals notwendig, bestimmte Vorstellungen aufzugeben, bevor eine Heilung einsetzen kann.
Für manche Menschen sieht das so aus, als ob sie vor dem Trauma kapitulieren müssten.
Und das wollen sie auf keinen Fall und können daher nicht heilen.Traumata erzeugen sehr oft ein Gefühl, unter Druck zu stehen.
Das wird zum gewohnten Erleben und wir merken es gar nicht mehr, wenn wir uns selbst oder sogar andere Menschen unter Druck setzen.Wenn wir uns davon befreien können wir die Kraft gewinnen, den Mut zur Heilung aufzubringen.
Dazu müssen wir aber erst einmal erkennen, dass wir uns im Endeffekt selbst unter Druck setzen und damit aufhören.Ich hoffe, meine Sätze waren einigermaßen verständlich, aber ich antworte auch gerne auf Fragen.
Liebe Grüße
Eric