chance des annehmens
Geschrieben von raschida am 29. Juni 2010 13:09:24:
hi,
so wie viele, bin auch ich an einem Punkt, wo ich spüre, dass es zur heilung wichtig ist, wenn ich annehme was mir wiederfuhr.
Einfach gesagt, zumal ich ja noch lange nicht alles weiss, was geschah. Aber ich spüre deutlich, dass ich mich nicht mehr "verstecken" muss, wegen meiner emotionalen Beeinträchtigung. Die Hast der Jahrzehnte, den Ansprüchen eines "gesunden" Menschen hinterherzujagen,...das ist nicht mehr da.
Alle Schuldgefühle dieser Jahre, nicht so zu sein, wie es irgendwer von mir erwartet hätte,....alles futsch.
Das finde ich sehr gut,es wirkt befreiend auf mich.
Vor tagen war dieser Moment des Annehmens sehr präsent. Ich habe dieses heulende und nach wiedergutmachung und um Anerkennung schreiende kind erkannt,...den Schmerz so gespürt, dass ich im Alltag plötzlich sagen konnte zu mir selber:
Ja, ich stehe zu meiner Person, mit all dem Schmerz und dem Leid was mir widerfahren ist und mache einen neuanfang.
Zu entscheiden, was nur ich will,...das war mir doch völlig fremd.
Auch wenn mir nach wie vor das Fremdbild der ungerechten und harten Rebellin anhaftet.
Es waren alles Befreiungsversuche, die in ihrer Härte so waren, weil die Macht derer, die mich in Abhängigkeit hielten so gross war.
Ich habe auch begriffen, dass es sehr selbstzerstörerisch wäre, wenn ich selber in kommunikation mit Tätern und Mittätern treten würde. Dazu bin ich ja als unmittelbares opfer auch garnicht in der Lage. Und warum soll ich mir das antun,....mir anzuschauen, wie alle worte an den tätern abprallen?
Sie ja doch noch immer von ihren "machtgelüsten" glauben weiter zu kommen im leben.
Alleine die Tatsache, dass jeder täter einen freien willen hatte bei seinen taten, zeigt doch, dass sie bewusst diesen weg gewählt haben.
Und erst wenn die gesellschaft endlich begreift, dass es kreise zieht, wenn man einfach über etwas "hinwegsieht", dann lohnt es sich für mich auch, selber mit Tätern und Mittätern in kontakt zu treten.
Dass es viele menschen gibt, die uns betroffenen grossen respekt engegenbringen, meist von professioneller seite her, ist schonmal sehr gut zu wissen wie ich finde.
Überlebt zu haben, in Situationen, wo kein fachmann einen detailierten rat geben kann, wie man soetwas schaffen kann,......das macht uns zum teil aus und dafür bekommen wir ehrliche anerkennung von denen, die nicht "weltfremd" sind oder unter "emotionaler Blindheit" stehen.
Für mich war es sehr schwer zu erkennen, dass ich als betroffene so leben darf, wie es mir entspricht. Ich nicht dem Zwang unterstehen brauche, krankhafte "höchstleistungen" zu vollbringen.
Durch unser trauma haben wir auch an empathie gewonnen.
Ich werde das als chance begreifen, immer mehr, und mich da früher oder später nützlich machen, wo mein Platz ist.Dennoch will ich hier denjenigen ein grosses lob aussprechen, die den weg der anzeige gehen. Es ist sehr wichtig, dass wir opfer durch unsere Erscheinung, den professionellen Helfern, seien es nun zu ermittelnde Beamte therapeuten oder Anwälte, Empathie (einfühlungsvermögen) vermitteln können.
Meine Klärung der Dinge wird sich in diesem Leben leider nicht mehr über den weg der Anzeige gestalten lassen.
gruss raschi