Trugbild des Geistes?
Geschrieben von Helena am 17. Mai 2010 20:25:20:
Als Antwort auf: Re: Reflektieren über andere? geschrieben von Eric am 17. Mai 2010 02:12:06:
Hallo Eric, ich habe nochmals darüber nachgedacht, nachdem ich deine Antwort gelesen habe über das, was ich geschrieben habe. Es ist tatsächlich sehr schwer, entsprechende Worte zu finden für das, was in mir ist. Ich versuche es nochmal.
Die Phase in meinem Leben war lang, in der ich so ziemlich alles, was in irgendeiner Weise scheinbar Bedeutung für mein Leben hatte, hinterfragt habe. Alles und jeden, Freundschaften, meine Beziehung, mein Muttersein, meine Eltern und vor allem mich selbst
Es kam nicht etwa dosiert, nein, es brach über mich herein. Die Folge war eine Bodenlosigkeit. Im Grunde, so weiß ich heute, habe ich es unbewußt herbeigeführt. Es ging darum, meine Gefühle, meine Gedanken und mein Handeln in Einklang zu bringen. Ich wußte nicht, wie das geht, ganz ehrlich! Das einzigste, was ich unbedingt wollte, war damals, die Ursache meiner Panikattacken zu finden. Dieser Wille war da und dann begann die innere Arbeit. Manchmal hatte ich nur ein Gefühl, Angst. Ich komme da nie mehr heraus, verliere den Kampf, den ich begonnen hatte. Und dann kam ein Wendepunkt, nicht von heute auf morgen, nein, es war ein Prozeß, ich entdeckte mein Selbst und nahm den Schleier der mich zugedeckt hat, Stück für Stück ab. Sehr schmerzvoll, es fand im Grunde nochmals eine "Geburt" statt. Ich hab mein Selbst geboren. Das, was ich nicht mehr hinterfrage, ist genau dieses Selbst. Ich bin heute befreundet mit allem, was in mir ist, den Panikattacken (sie sagen mir, wo ich genauer hinschauen sollte), Schwächen, Stärken, Unzulänglichkeiten, Unsicherheiten. Mich anzunehmen geht einher, den/die Andere(n)anzunehmen. Dadurch ist mein Leben schöner, liebevoller, purer geworden. Es ist zu schaffen...
Herzlichst Helena
>Liebe Helena,
>ich meinte dieses Verantwortung übernehmen für andere, von dem Du im Hauptforum geschrieben hast.
>Das findet ja wohl im Dialog mit diesen anderen statt und Verantwortung ist ja wohl meist etwas, das rational gesteuert ist. Trotzdem hatte es bei Dir emotionale Ursachen, wie Du ja selbst erkannt hattest.
>Wir können natürlich versuchen, unsere Einschätzung durch Fragen an andere auf eine breitere Basis zu stellen. Aber auch diese anderen unterliegen ja den selben Trugschlüssen wie wir selbst. Gerade unsere Geschichte lehrt uns ja, dass selbst die breite Masse der Bevölkerung einem Trugschluss erliegen kann.
>Es gibt aber durchaus noch einen anderen Weg, den zu beschreiben sehr schwierig ist, weil er sich zum größten Teil nicht in Worte fassen lässt. Es ist der Weg der Selbsterkenntnis. Und auf diesem Weg bist Du, wenn ich mich nicht irre. Oder?
>Ich stimme mir Dir aber nicht darin überein, dass ein Weg etwas ist, das nicht hinterfragt wird. ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass dieses Hinterfragen extrem wichtig ist. Alles andere wäre ja nicht dem Weg zu folgen, sondern nur stur in eine Richtung zu laufen, ganz egal, ob wir dabei unseren Weg verlassen oder nicht.
>Jeder der einem Weg folgt wird immer wieder feststellen, dass er an verschiedenen Stellen einem Trugbild unseres Geistes aufgesessen ist. Unser Geist bringt uns immer wieder dazu, Dinge zu beurteilen, obwohl das gar nicht notwendig ist. Er macht uns weis, dass bestimmte Dinge so und nicht anders sein müssen, obwohl das gar nicht so ist. Er gaukelt uns Dinge vor, die angeblich zu dem gehören was uns ausmacht, obwohl das überhaupt nicht so ist.
>Würde wir das nicht immer wieder hinterfragen, dann würden wir in die Irre laufen.
>Wir könne dieses Thema gerne fortführen, wenn Du das möchtest, denn dafür ist dieses Forum ja da.
>Liebe Grüße
>Eric
- Re: Trugbild des Geistes? Eric 18.05.2010 21:52 (3)
- Re: Trugbild des Geistes? Helena 20.05.2010 10:18 (2)
- Re: Trugbild des Geistes? Eric 22.05.2010 00:30 (1)
- will mich anschliessen raschida 22.05.2010 09:12 (0)