10 grad minus

Geschrieben von raschida am 16. Dezember 2009 07:45:43:

hi,
muss euch sagen, gestern konnte ich hautnah sehen, wie ein Mensch zittern kann, der sein Dasein auf der Strasse verbringt.
Ich war auf dem Weg zur Therapie, zu früh bin ich aus dem Hause, mit Hunger im Bauch, auf der Suche nach einer Kleinigkeit, ging ich in Richtung Weihnachtsmarkt.
Mein Blick fiel auf einen Mann, der mit einem Plastikbecher vor sich, auf der Strasse sass und von Zitteranfällen geschüttelt wurde.
Ich entschied mich für Käsebrezel und kaufte nicht eine, sondern spontan zwei davon. Mit der Tüte ging ich zurück zu diesem Menschen und hockte mich neben ihn.
In 20 Minuten erfuhr ich, dass er seit 6 Wochen "auf Platte" ist. Gerade 40 Jahre alt, mit klarem Blick,sagte er mir, dass er sich von den anderen Obdachlosen isoliere. In der Notunterkunft könne er nicht mehr gehen, dort wurden ihm die letzten Habseligkeiten geklaut. Er erzählte mir, dass viele Obdachlose sich extra einen Hund anschaffen würden, damit das "Betteln" besser funktioniere. Soetwas lehnt er aber kategorisch ab. Er nehme keinerlei Drogen mehr, in diesen Teufelskreis sei er zuvor aber geraten, da in seiner Familie "alles unter den Teppich" gefegt wurde. Ganze 40 cent hatten die vorbeiströmenden Massen in dieser Zeit für den Mann über.
Er saugte meine Aufmerksamkeit auf, wie ein trockener Schwamm und ich versprach ihm, meinen Schlafsack vorbeizubringen.
Ich habe dadurch aber keine Befriedigung erfahren und habe den "Vorfall" meinem Chef "präsentiert". Immerhin hat der ein Bundesverdienstkreuz. Dieser meinte, er würde in den nächsten Tagen sowieso den Sozialdezernet der Stadt treffen und bei dieser Gelegenheit wird er das vortragen.
Warum wird Menschen, wie diesem, nicht geholfen?
Anscheinend ist er ja zu schwach, sich selber zu helfen, aus welchen Gründen auch immer.
Muss es soweit kommen, das er sich an ein Leben auf der Strasse gewöhnt, und nicht mehr zurück "will", oder muss er tatsächlich erst wieder kriminell werden, um zu "überleben"?
Ich kann nur sagen, wir leben nicht mehr in einer Zeit, wo der veraltete Spruch "jeder ist seines Glückes Schmied" zutreffen kann. Wann begreifen dies denn mal die Checker unserer Nation?
Ich bin wirklich gespannt, wie diese Angelegenheit sich nun entwickelt. Sagen konnte ich diesem Menschen nur beim Abschied, als ich ihm meine Hand reichte:"Halte durch, ich werde sehen, was ich für dich tun kann"


soviel wie möglich und so wenig wie nötig an Aufmerksamkeit für unsere Nächsten wünscht euch

RASCHIDA



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