Fehler dfen nicht unseren Wert bestimmen
Geschrieben von Gabi am 21. November 2009 11:44:23:
Als Antwort auf: gibt es Fehler? geschrieben von ratlose Helena am 21. November 2009 00:22:56:
Hallo Helena,
ja,es gibt Fehler. Als Lehrerin muss ich offiziell Fehler anstreichen, denn sonst können Schüler nicht das Richtige lernen.
Es gibt fakten und, wenn die falsch vermittelt werden, dann sind das Fehler.ABER: du redest von etwas ganz anderem. Dein Ausgangspunkt war dein posting am sogenannten falschen Ort.
Und ich denke, dass es sehr interessant ist, dass es wahrscheinlich schon unbewusst als Fehler angesehen wird und vielleicht tatsächlich die Antworten deshalb ausblieben.Und da komme ich zu dem springenden Punkt in deiner Aussage: nämlich die Rumquälerei damit ob Fragen, Antworten, die eben keine eindeutige Ja oder nein oder Faktenlösung haben, Fehler sein können.
Persönlich kann ich vielleicht feststellen hinterher, dass dieses oder jenes ein Fehler war. Aber es war insofern kein Fehler, weil ich ja eine Entscheidung treffen musste und hinterher lässt sich alles leicht als Fehler feststellen.
Aber du sprichts ja letztlich das Thema "Schuld" an. Ist man plötzlich bloß noch fehlerhaft und damit schuldig? Und ich kenne diese
Dauerfrage in mir nur allzugut.
Und ich glaube, dass es schon in Ordnung ist zu reflektieren, aber es ist nicht in Ordnung alle Fehler bei sich zu suchen.Das Spektrum deiner Frage ist ein so weites Feld. Denn ich möchte nun gern wieder zu den Schülern hin und zu dem, was ich rot anstreichen muss.
Und daran bin ich als Lehrerin oft gescheitert, weil wir ein System haben, das die Fehler viel zu sehr betont.
Wir werden immer auf Fehler hingewiesen, aber selten werden wir für das Richtige gelobt.Wir haben eine ganz schlechte Fehlerkultur. Fehler müssen erlaubt sein und ohne Angst bewertet werden dürfen, denn Fehler machen wir und das soll uns nicht vernichten. Oft ist es ja so, dass man das Gefühl hat, dass bei einem Fehler die ganze Existenz draufgeht.
Das ist manchmal faktisch so, manchmal aber auch nur so gefühlt, weils das Gegenüber gar nicht so meint.Man kann und muss auf faktische Fehler hinweisen, denn würde der Architekt z.B. Häuser ohne tragende Wände bauen, dann würden wir drunter begraben werden.
Aber was fehlt ist, dass wir hinweisen auf all das, was neben den Fehlern Gutes entsteht.Eltern tadeln ihre Kinder sehr schnell, aber wofür gibt es Lob?
"Du bist dumm", das haben hier sicher einige gesagt bekommen von ihren Eltern. Mein Vater hat das jeden Tag zu mir gesagt. Ich habe es verinnerlicht und aufgesogen und laufe nun mit diesem Fluch herum.Ich kann tun und lassen, was ich will: ich bin dumm. ich konnte ein Superhochschulexamen hinlegen: ich bin dumm.
An mir haftet das wie ein Fluch.
Stattdessen sollten wir unsere Kinder segnen und damit meine ich: loben.Ich bin aus dem Leistungssystem Schule ausgestiegen. Meine letzte Unterrichtsstunde ging um das Thema "Leistung". Und als ich gemerkt habe, dass die Schulkalsse zu 100% fehlerlose Leistung von sich und den anderen gefordert hat, da wusste ich, dass ich nicht mehr dazugehöre, wenn ich als Lehrerin gegen das Leistungsprinzip ankämpfe.
Dein Thema, das gesamt Spektrum, das begleitet mein Leben existentiell und so wie ich es lese dein Leben auch. Und das Leben von vielen hier.
Wahrscheinlich hast du beim ersten Satz meines postings einen Schrecken bekommen und ich hoffe, dass du da nicht aufgehört hast zu lesen.
Ich leide unter der Fehleranstreichgesellschaft. Aber ich weiß auch, dass das in meinen elterlichen Ursprung gehört wo Fehler bedeuten, dass die gesamte Person wertlos ist.Liebe Grüße von einer durch deine Frage angesprochenen und existentiell betroffenen Gabi
- Re: Fehler dfen nicht unseren Wert bestimmen @Gabi TchorT 21.11.2009 18:35 (3)
- @TchorT Gabi 22.11.2009 02:09 (1)
- Re: @TchorT @ Gabi TchorT 22.11.2009 13:59 (0)
- Kleider wechseln zustimmende raschida 21.11.2009 18:54 (0)