Re: Emotionale Blindheit (kann ggf. triggern)
Geschrieben von Gabi am 13. August 2009 13:31:29:
Als Antwort auf: Emotionale Blindheit (kann ggf. triggern) geschrieben von traumfang76 am 13. August 2009 12:51:03:
Liebe traumfang,
dein posting hat mich sehr mitgenommen, denn ich bin therapeutisch in einer ähnlichen Lage wie du.
Traumfang, es ist vergeblich, dass du deine Mutter versuchst als Hilfe miteinzubeziehen. Deine Mutter ist emotional blind und bleibt das auch, denn sie spürt ja auch gar keinen Druck hinzuschauen.
Meine Mutter ist in diesem Punkt eine Kopie deiner Mutter und ich kenne die innere Verzweiflung, dass du darum kämpfst, dass deine Mutter mal alle Abwehrmechanismen fallen lässt um deine Not wirklich zu sehen. DEine Mutter würde das höchstens nach einer eigenen Therapie tun können, aber diese Therapie wird sie nicht machen, denn sie hält sich ja für in Ordnung und kann gar nicht zulassen, dass deine Probleme nicht von der Arbeit kommen.
Würde sie es zulassen, dann müsste sie so viel einsehen, müsste so viel überdenken und selbst aushalten, das wird sie nicht tun.Traumfang, es ist gut, dass du dir ein Sicherheitsnetz schaffst, aber nicht deine Mutter. Deine Mutter bringt dich nur immer weiter runter. Du musst deine Sehnsucht nach Verständnis in Bezug auf deine Mutter begraben. Deine Mutter dreht sich nur um sich selbst. Ich wage mich weit vor mit meiner Antwort, aber ich traue mich einfach mal, denn es klingt so identisch mit meiner Familiengeschichte, was du erlebst.
Bloß ich bin an dieser Stelle geheilt ( nach 10 Jahren Therapie), dass ich noch Hoffnungen in meine Mutter setze. Das ist nicht leicht und bedarf einer langen Trauerzeit. Glaub mir, dass ich nichts leichtfertig schreibe.
Meine Mutter, die über 80 Jahre alt ist, ist eine promovierte Pädagogin in hoher Stellung gewesen, sozusagen, wenn man ihr Geburtsjahr bedenkt, eine Frau, die ihrere Zeit weit voraus war.
Aber: das hilft alles nicht dem eigenen Kind gegenüber, wenn man wie meine Mutter sich völlig falsch einschätzt.
Aber: sie ist sehr sehr schuldig, denn sie hatte viele viele Voraussetzungen, die es ihr möglich gemacht hätten alles besser zu machen.Sie hat die intellektuellen Voraussetzungen und die gesellschaftlichen Voraussetzungen. Aber man weiß ja, dass das im letzten Effekt keine Rolle spielt und dennoch würde ich einer Mutter, die selbst in Not gelebt hat eher verzeihen können.
Ich will aber jetzt nicht abdriften, denn es geht um dich.
Du bist ganz sicher stark. Und das wird auch deutlich darin, dass du dir ein Sicherheitsnetz aufbaust. Ich hoffe, dass du da noch weiter daran bauen kannst, denn Unterstützung ist wichtig.
Aber lass deine Mutter raus, denn die wird alles tun um deine innere Stärke zumindest unbewusst anzukratzen, weil du eben an ihr und ihrem ignoranten und unmütterlichem Verhalten verzweifelst.Ich kann allgemein bloß zu dem Thema emotionale Blindheit sagen: obwohl ich durch meine analytische Therapie so viele blinde Flecken bei mir aufdecken konnte, habe ich dennoch noch genug selbst, was ich nicht erkenne. Meine Tochter habe ich deshalb zur Therapie ermutigt, was ich als Mutter natürlich gleichzeitig als eine gewisse Kränkung erlebe, wenn nun ab und zu über meine Fehler deutlich gesprochen wird, aber letztlich bin ich froh, denn mehr konnte ich nicht tun.
dass ich viel Mist auch an meiner Tochter gemacht habe, das ist einfach so und tut mir leid, aber ich habe die Gewissheit, dass ich versuche trotz aller Dinge, die mir dabei weh tun, meine blinden Flecke anzugehen.Alles Gute dir,
Gabi