Re: Hingabe *triggert*
Geschrieben von Eric am 10. Mai 2009 23:22:55:
Als Antwort auf: Hingabe *triggert* geschrieben von Gabi am 08. Mai 2009 09:19:28:
Liebe Gabi,
mir ist durchaus klar, dass der eigene Wille bei Menschen, die Missbrauch erlebt haben, sehr häufig sehr stark überbetont ist. Das ist eine Folge des Missbrauchs.
Wenn nun dieser Wille für jeden Menschen zum Hindernis werden kann, um wieviel mehr muss das für Opfer von Missbrauch gelten? Genau deswegen finde ich es umso wichtiger, darüber zu diskutieren.Ich sehe das genauso wie Du, dass es wohl eine ziemliche Begriffsverwirrung in diesem Bereich gibt.
Was Du beschreibst, wie jemand in einer Missbrauchssituation Hingabe fordert, ist schon an sich eine Pervertierung dieses Begriffs. Das ist keine Hingabe, das ist Unterwerfung!
Der Handlungsaspekt ist bei diese Diskussion der Schlüssel.
Etwas freiwillig zu tun ist grundverschieden davon, es bei jemandem erzwingen zu wollen.
Was ich hier befürworte ist Hingabe im Sinne der Wortbedeutung als etwas freiwilliges.Und natürlich sehe ich auch große Gefahren, dass jemand diese Hingabe missbraucht.
Hingabe an lebende Personen sehe ich sehr kritisch und würde davon abraten.
Genau deswegen war es mir wichtig festzustellen, dass Hingabe auch an abstrakte Dinge geschehen kann.
Ob dies die Natur an sich, das Schicksal oder eben gar nichts ist, ist völlig egal.Hingabe an gar nichts... klingt erstmal widersprüchlich, oder?
Aber versuche es mal, Du wirst staunen. Hingabe braucht kein Objekt, an das Du Dich hingibst.Dzogchen ist eigentlich etwas sehr, sehr einfaches.
So einfach, dass es den meisten Menschen verschlossen bleibt.
Denn diese suchen nach etwas sehr kompliziertem und können daher den Zugang zu Dzogchen nicht finden.Im Lukas Evangelium wird ausgeführt, dass Jesus auf die Frage "Wann wird die neue Welt, das Reich Gottes, anbrechen?" antwortet: "Das Reich Gottes ist schon da, ihr erkennt es nur nicht!"
Bedeutet das nicht eigentlich dasselbe?Mir kommt da ein Textfragment aus einem Lied in den Sinn, das derzeit jeden Tag im Radio kommt:
"...Life is so complicated... until we see it through the Eyes of a Child..."
Übersetzt: "Das Leben ist so kompliziert... bis wir es durch die Augen eines Kindes sehen"Und genau so etwas kann man in der Bibel im Neuen Testament als Zitat von Jesus doch auch lesen, oder?
Wie ist das mit den Kindern, derer das Himmelreich ist?Es ist alles auch in der christlichen Tradition da. Auch die Hingabe, die natürlich auch da von zentraler Bedeutung ist.
Der Unterschied ist jedoch, dass der Buddhismus sehr genaue und detailierte Anleitungen liefert, damit die Menschen dem Pfad folgen können. Die Bibel dagegen ist in Form von Erzählungen geschichtlicher Ereignisse verfasst. Das macht es wohl vielen Menschen sehr viel schwieriger, daraus Rückschlüsse auf den Weg oder die Methoden zu ziehen, die dem Menschen beim Beschreiten dieses Weges helfen können.
Aber gerade weil religiöse Symbole und Konzepte oft missbraucht wurden fällt es jemandem, der so etwas erlebt hat, wohl um ein vielfaches schwerer.
Deswegen ist es mir wichtig darüber zu schreiben, dass diese Symbole nicht die einzig möglichen, sondern dass sie austauschbar sind.
Dass es noch viele weitere Wege gibt, die nicht durch alte Erinnerungen und Trigger verschlossen sind.Liebe Grüsse
Eric