Re: visualiseirung trigger?
Geschrieben von Eric am 24. Juni 2008 23:45:06:
Als Antwort auf: visualiseirung trigger? geschrieben von sehnsucht am 23. Juni 2008 23:43:29:
Hallo Sehnsucht,
es ist richtig, dass es offenbar keine beweiskräftigen historischen Belege für Kampf- Fähigkeiten der Shaolin- Mönche gibt. Geschweige denn zu deren Entstehung. Jedoch ist das Shaolin- Kloster auch nur eine Randerscheinung im Buddhismus. Wobei das Shaolin- Kloster ja auch ein Zen- Kloster ist bzw. war und es jedem selber überlassen ist, ob er Zen dem Buddhismus überhaupt zuordnet oder nicht.
Die meisten der sehr vielen Kampfkunst- und Kampfsportarten haben ihre Wurzeln offenbar im chinesichen Daoismus oder dem japanischen Bushido.
Buddhistische Einflüsse gibt es sicher auch in den Kampfkunstarten. Jedoch würde ich das eher so sehen wie die christlichen Werte, die jeder Soldat in jedem Krieg hier in Europa auch für sich selber hatte. Jedoch wird niemand bezweifeln, dass Krieg und Christentum eigentlich nicht vereinbar sind. Und bei der Kampfkunst und dem Buddhismus sehe ich das genauso.
Unser eigentliches Thema ist ja ein anderes.
Wenn es darum geht, dass eine Abrechnung mit irgendjemandem erfolgen soll, diese aber als Visualisierung stattfinden soll, wozu braucht man denn da eigentlich Kampfkunst oder Kampfsport?
In der Visualisierung ist jeder so stark wie er will, daher ist dafür kein körperliches Training erforderlich, oder?Um den Zugang zum Körper wiederzufinden braucht der Buddhismus auch keinen Kampfsport, dann dazu gibt es beispielsweise Yoga.
Viele Menschen die das praktiziert haben und selber traumatisiert sind können wohl bestätigen, wie sehr so etwas ans Trauma gehen kann.Was Du aber ansprichst was Kampfsport leisten kann ist diese Sache mit der "Stärke", die ein Mensch damit beweisen kann.
Das ist jedoch ein zweischneidiges Schert, denn es kann auch eine Imagination stärken, die allgemein als "Ego" bezeichnet wird.
Dieses wiederum hat Buddha als eine der Hauptquellen der Anhaftung und damit der Entstehung von Leid erkannt.
Dieses zu stärken führt also keineswegs zur Befreiung, ganz im Gegenteil.Eine Folge von Traumatisierung jedoch ist eine starke Betonung dieses "Ego".
Ich möchte das an einem Beispiel erläutern.
Armins Hund Spiky beispielsweise hat überhaupt kein Problem damit, wenn man ihm einen Knochen aus seinem Futternapf klaut, selbst wenn er gerade am Fressen ist. Er guckt nur ein bissel verwundert, aber er lässt sich nicht stören.
Er musste offenbar noch nie hungern und hat daher kein diesbezügliches Trauma erlebt.Andere Hunde die ich kennengelernt habe reagieren jedoch in so einer Situation äusserst aggressiv. Manchen darf man noch nicht mal auf zwei Metern nahe kommen wenn sie fressen, denn sonst rasten sie aus. Diese Hunde mussten offenbar entweder hungern oder ihre Artgenossen haben ihnen das Futter weggenommen. Diese Hunde wurden also traumatisiert.
Bei diesen Hunden hat sich also als Abwehrmechanismus ein Ego herausgebildet bzw. sehr verstärkt, dass sie in Gegensatz zu den Menschen und Hunden ihrer Umgebung bringt, das ihnen ihre Umgebung als feindlich erscheinen lässt. Sie versuchen also alles, um ihre unmittelbare Umgebung unter ihre Kontrolle zu bringen um eine weitere Traumatisierung um jeden Preis zu vermeiden.
Sie haben Angst davor dass ihnen jemand etwas wegnimmt und sie sind daher sehr im Stress.
Ihr Ego bringt diesen Hunden Leiden und auch ihre Umgebung leidet unter diesem Ego.
Nämlich der Mensch der so einem Hund unbeabsichtigt beim Fressen zu nahe kommt und von ihm gebissen wird.Nehmen wir an, dieser Hund würde nun Unterricht in Kampfkunst bekommen und auch noch lernen sich nicht nur mit seinem Gebiss, sondern auch noch mit einem Messer zu verteidigen?
Würde ihm das was bringen?Welcher dieser beiden Hunde ist frei?
Spiky, der sich wundert was Du mit seinem Knochen willst, gähnt und sich umdreht oder der andere Hund ob mit oder ohne Messer?Die Frage ist wohl leicht zu beantworten.
Spiky ist frei. Der andere Hund ist Gefangener seines Ego, das ihn ständig zwingt zu versuchen, seine Umgebung unter Kontrolle zu bekommen.Daher kann ich Kampfkunst oder Kampfsport nicht als erstrebenswert im Sinne des Buddhismus deuten.
Insbesondere dann, wenn sie der Stärkung des Ego dienen soll.Denn dieser Weg würde nicht in die Befreiung führen wie Buddha ihn lehrte, sondern er würde die Gefangenschaft des Menschen nur noch mehr untermauern.
Viele Grüsse
Eric