Re: Neues Thema des Monats: Innere Anteile

Geschrieben von Eric am 16. Juni 2008 21:22:30:

Als Antwort auf: Re: Neues Thema des Monats: Innere Anteile geschrieben von sehnsucht am 16. Juni 2008 12:57:02:

Hallo Sehnsucht,

es ist sicherlich aus westlicher Perspektive nicht leicht, den Buddhismus wirklich zu verstehen, denn so vieles erscheint vertraut, aber in Wirklichkeit steckt oft was ganz anderes dahinter.

Christentum und Buddhismus sind beides Weisheitsreligionen und Werte wie Mitgefühl und Gewaltlosigkeit ist beiden gemeinsam.

Dann hören die Gemeinsamkeiten aber schon fast auf, denn der Buddhismus belässt es nicht bei Vorgaben, wie der Mensch zu sein hat. Er droht aber nicht und lässt den Menschen auch nicht alleine.

Sondern er bietet dem Menschen an, die Ursachen des Leidens selber herauszufinden und sich davon zu befreien.
Der Buddhismus ist aber im Gegensatz zum Christentum keine Glaubensreligion.
Buddha selbst war es, der von seinen Schülern verlangt hat, das was er sagte nicht einfach zu glauben um ihm zu gefallen. Er verlangte stattdessen, alles zu hinterfragen und nur das zu glauben, was sie selbst nochvollziehen, was sie selbst erfahren konnten. Bis heute ist das einer der wichtigsten Grundsätze.
(Anmerkung: Es gibt da eine Gruppierung, die von ihren Mitgliedern verlangt dem Lehrer zu glauben, weil es ihr Lehrer ist. Diese Gruppierung fühlt sich vom Dalai Lama ausgegrentzt, denn der lehnt so etwas grundsätzlich als nicht mit dem Buddhismus zu vereinbaren ab.)

Buddhismus ist auch keine Theistische Religion, denn Götter spielen dort keine Rolle.
Es mag den Anschein haben dass Buddhisten Buddha anbeten. Ich kann das nicht für jeden Buddhisten ausschliessen, aber eigentlich ist es lediglich ein Zeichen der Ehrerbietung für Buddha als Menschen und Lehrer.
Man kann also den Buddhismus als atheistisch bezeichnen.

Es gibt hier in Deutschland viele Christen, die eigentlich gar keine sind. Sie wurden lediglich in ein religiöses Umfeld hinein geboren, leben es aber gar nicht. Buddhisten hierzulande dagegen sind meist wirklich überzeugt. Das liegt aber lediglich daran, dass wir ein christlich geprägtes Land sind und sich Buddhisten hier aus ihrer Überzeugung heraus entschieden haben. In buddhistisch geprägten Ländern wirst Du wohl die Verhältnisse genau umgekehrt erleben.

Ich halte nichts davon, irgend eine Überzeugung aus dem Grund abzulehnen, weil es auch Menschen gibt die sie nicht wirklich leben, sondern oftmals genau das Gegenteil von dem tun, was sie vorgeben zu leben.
Würdest Du Dich nach so etwas richten, dürftest Du eigentlich gar nichts mehr tun oder glauben. Aber was würde das bringen?

Es scheint jedoch offensichtlich, dass Gewaltlosigkeit in buddhistisch geprägten Ländern einen weit höheren Stellenwert hat als in Ländern mit anderen (auch jüdisch/christlich geprägten) Ländern.
Auch wurde nie im Namen des Buddhismus Krieg geführt.
Dass dem so ist liegt daran, dass Gewaltlosigkeit für eine Buddhisten keine Regel ist, die er einzuhalten hat, sondern sie bringt jedem einzelnen handfeste Vorteile, die jeder erfahren kann.
Wie gesagt, Buddhismus ist eine Erfahrungs- und keine Glaubensreligion.

Für mich selber war es immer ein Rätsel, ob diese Kampfsportarten (Kung Fu), die in einem einzigen buddhistischen Kloster gelehrt wurden/werden, nicht geradezu dazu einladen, die Grenze der Selbstverteidigung zu überschreiten. Für mich ist das Grenzwertig. Aber es ist kein Bestandteil des Buddhismus an sich und spielt darin keine Rolle.

Dazu sollte man vielleicht die Entstehung dieser Kampfsportart kennen, denn sie dient keineswegs dazu, das Selbstvertrauen zu stärken.
Angefangen hat es nämlich damit, dass die Mönche des Kung Fu Klosters bei ihren Meditationen viel zu oft eingeschlafen sind. Die Ursache lag darin, dass ihre körperliche Kondition aufgrund mangelnder Betätigung nicht die beste war.
Kung Fu diente also ursprünglich lediglich dazu, die Mönche körperlich fit zu machen, damit sie beim meditieren nicht einschliefen. zwinker

Viele Grüsse

Eric



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