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Epilepsie und Trauma



Ein Seminarangebot zum Thema Psychotrauma, in dem als Trauma-Folgeerscheinung neben vielen anderen auch Epilepsie genannt wurde, machte mich aufmerksam.

Mir kamen sofort einige Fälle von diagnostizierter Epilepsie in meiner Traumapraxis in Erinnerung und all das brachte mich dazu, ein wenig nach diesen Zusammenhängen zu forschen und mit meinen Erfahrungen zu verknüpfen.

Es gibt zahlreiche Störungsbilder, ob nun als Traumafolgestörung „anerkannt“ oder mal wieder als rein genetisch bedingt abgetan, die eine identische oder sehr ähnliche Symptomatik zeigen können und die differentialdiagnostisch ausgeschlossen bzw. erkannt werden müssen. Dazu gehört auch:

Epilepsie

(Absencen, komplex-partielle Anfälle)

Dabei ist zu beachten: Nicht alle Krampfanfälle sind Epilepsien.
Es gibt zahlreiche Störungen der körperlichen Funktionen, die zu ähnlichen Erscheinungsbildern führen können.
Dazu zählen Ohnmachten, Krämpfe, Schmerz-und Schwindelanfälle, die bei Störungen anderer Organe, Organsysteme oder des Stoffwechsels entstehen.

Besonders hinweisen möchte ich auch auf die sehr ähnlichen Anfälle bei Aufregung oder Stress, demnach natürlich ganz besonders dem durch traumatische Erlebnisse ausgelöstem Stress! (Flashbacks)

Gleich welcher Ursache eine entstandene Epilepsie ist - die Veränderungen im Gehirn sind immer gleich: Gruppen von Nervenzellen geben unkoordiniert in schneller Folge Signale ab, ohne damit eine sinnvolle, dem Willen unterliegende Aktion zu bewirken.

Epilepsie könnte man dann als Hyperaktivität der Botenstoffe im Gehirn bezeichnen.

Auslöser kann neben wenigen organischen Ursachen z.B. sein:

  • Ehekonflikt der Eltern
  • Krankheitsfall in der Familie
  • Alkoholproblem oder andere psychische Störung eines oder beider Elternteile
  • Misshandlung
  • sexueller Missbrauch
  • Beziehungsprobleme zu Erziehern/Lehrern und/oder Gleichaltrigen

(entlehnt von Ingo Spitczok von Brisinski).

Dass genannte Faktoren zu traumatischen Erfahrungen gehören, ist bekannt.

Auch in anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurde bei den möglichen Ursachen für epileptische Anfälle das „Trauma“ genannt.

Dabei stellte sich für mich heraus, dass es - wie so oft - vollkommen unklar ist, ob psychosoziale Symptomatik Folge der Abweichungen im Stoffwechsel ist oder umgekehrt.

Erwiesen ist die enge Wechselwirkung von psychosozialen und chemophysikalischen Faktoren. In der bisherigen Hirnforschung z.B. wurden Aspekte der Neuroplastizität, i.e.S. intrauterine und frühkindliche Traumata bisher überhaupt nicht bedacht und müssen deshalb als durchgehende unkontrollierte Fehlervariable alle bisherigen Untersuchungsergebnisse grundsätzlich in Frage stellen.

Wo aber ist nun der Zusammenhang von Epilepsie und Trauma?

Traumastress
  • verändert die Hirnstruktur,
  • greift in den Neurotransmitterhaushalt ein.

Und als Ursache für Epilepsie sieht man
  • eine Veränderung der Hirnstruktur
  • und der Neurotransmittertätigkeit

Immer ist dabei die Informationszentrale Gehirn gestört.

Das soll, wie bereits oben erwähnt, nicht bedeuten, dass ich nicht ausfgelösten Traumastress als einzige mögliche Ursache von Epilepsie sehe, aber als eine weitaus häufigere, als die Wissenschaft das wissen mag.
Der Zusammenhang scheint, zumindest mir, logisch, denn:

Nervenzellen lernen leiden


Gemeinsames Kennzeichen aller Epilepsie-Formen ist eine gesteigerte Krampfbereitschaft zentraler Nervenzellverbände, hervorgerufen durch ein Ungleichgewicht zwischen hemmenden u. fördernden Neurotransmittern.
Auch bei einigen anderen Traumafolgen geht es um eine Störung im Neurtotransmittersystem.

Neurotransmitter spielen eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung im Gehirn und sind beim komplexen Zusammenspiel von Denkvorgängen, Gedächtnis und Emotionen beteiligt. Entsprechend der genetischen Information werden die verschiedenen Neurotransmitter in den Nervenzellen produziert und ans Ende der Nervenzellausläufer zu den sog. Synapsen transportiert. Zwischen Synapse und angrenzender Nervenzelle liegt der synaptische Spalt, in den der Neurotransmitter ausgeschüttet wird und an Rezeptoren der angrenzenden Nervenzelle bindet. Nach Art des Neurotransmitters wird auf diese Weise ein bestimmtes Signal an die angrenzende Zelle weitergegeben oder abgeblockt. Diese komplizierte Signalübertragung im Gehirn kann leicht aus dem Gleichgewicht geraten, wenn Neurotransmitter unzureichend oder in einem nicht ausgeglichenen Verhältnis produziert werden.

Was aber verursacht die Störung im Neurotransmittersystem?
Was ist die Ursache hinter der Ursache?


Am häufigsten bleibt die Ursache von epileptischen Anfällen trotz allen medizinischen Fortschritts und sorgfältiger Untersuchungen auch heute noch unbekannt.
Oder soll die Störung wie alles, wofür keine wirkliche Erklärung gefunden wird, wieder mal genetisch bedingt sein?

Es wird aber zum Glück immer klarer, dass genetische Veränderungen bei vielen Formen von Epilepsie lediglich die individuelle Anfallsbereitschaft steigern und die Anfälle dann von einem Umweltfaktor ausgelöst werden, nicht aber Ursache sind.

Vorgeburtliche und Frühkindliche Schäden und Entwicklungsstörungen rücken ins Blickfeld.
Wir wissen mittlerweile, dass seelische Belastungen, wie es Traumata natürlich im höchsten Maße sind, massive Störungen der Hirntätigkeit zur Folge haben. Dazu gehört auch das Ungleichgewicht der Neurotransmitter. Genau gesagt eine Störung des Gleichgewichts verschiedener Transmitter.

Dieses Ungleichgewicht wurde durchaus längst bei einer Vielzahl massivster Erkrankungen wie:
Depression, Bipoläre Störung, ADS, Angststörungen, Alkoholismus, Gedächtnis-und Konzentrationsstörungen, Störungen der Impulskontrolle, Migräne, Hirnleistungsstörungen, Affektive Störungen, Psychose, Schizophrenie, Sucht, Ess- Störungen, Morbus Parkinson, Kinderlähmung, Epilepsie u.v.m. als Ursache oder als eine der Ursachen erkannt.

Medikamentöse Therapien sind ja meist pharmakologische Wirkstoffe, die in diesen Neurotransmitter-/Hormonhaushalt eingreifen und versuchen sollen, „die Lage dort zu entspannen“.

Es kann sich aber dabei aber immer nur um eine symptomatische Therapie handeln – nicht um eine URSÄCHLICHE!!

Auch hier muß ich leider wieder sagen: Pillen heilen keine Traumata!

Bei allen Epilepsieformen sind die emotionellen Auslöser doch längst bekannt, werden nur gerne unter den Teppich gekehrt.

Ob bei der:
  • Emotionellen Epilepsie mit Anfällen, ausgelöst durch Gemütsbewegungen
  • Hereditäre Epilerpsie, der sogenannten „Familieren Epilepsie“
  • genuinen Epilepsie bei der eine familiäre Belastung angenommen werden kann

Für Krampfanfälle und Epilepsie im Kindesalter werden eine Vielzahl von Ursachen verantwortlich gemacht. Als eine der wichtigsten ist zu nennen:

„Seelische Erregung“
(Dr. med Petra May, Fachärztin für Kinderheilkunde)

Die Hirnentwicklung als ein von Außen beeinflussbarer und daher auch störbarer Prozess

Übermäßige Belastungen im frühen Kindesalter stehen schon länger im Verdacht, zu einer erhöhten Anfälligkeit für eine spätere Temporallappen-Epilepsie zu führen. Erst in den letzten Jahren ist das Ausmaß der durch psychische Taumata während der frühen Kindheit ausgelösten Entwicklungsdefizite und die Vielfalt der daraus resultierenden psychiatrischen und psychosomatischen Störungsbilder so evident geworden, dass eine Neubewertung des Einflusses der psychosozialen Entwicklungsbedingungen auf die strukturelle und funktionelle Ausreifung des kindlichen Gehirns inzwischen nicht nur möglich, sondern unausweichlich geworden ist.
Menschen brauchen Sicherheit-bietende Bindungen als entscheidenden Voraussetzung für die Ausbildung lernfähiger, plastischer Gehirne (Hüther 2000). Nichts erzeugt z.B. soviel unspezifische Erregung im Hirn (und vor allem in den emotionalen Zentren) eines Kleinkindes, wie das plötzliche Verschwinden der Mutter.
Offenbar ist der Verlust der bis dahin vorhandenen, Sicherheit-bietenden Bezugsperson die bedrohlichste und massivste Störung, die das sich entwickelnde Gehirn treffen kann (Gunnar 1998).

Manches läßt sich nach einer solchen Störung später noch aufheben und kompensieren, anderes nicht.

Die menschliche Entsprechung dieser „maternal deprivation“ ist die frühkindliche Traumatisierung.

Die Auswirkungen früher Traumatisierung auf die weitere Hirnentwicklung
Auf der Grundlage der bisher dargestellten Sachverhalte und Überlegungen läßt sich ein Trauma als eine plötzlich auftretende Störung der inneren Struktur und Organisation des Gehirns beschreiben, die so massiv ist, dass es in Folge dieser Störung zu nachhaltigen Veränderungen der von einer Person bis zu diesem Zeitpunkt entwickelten neuronalen Verschaltungen und der von diesen Verschaltungen gesteuerten Leistungen des Gehirns kommt. Eine solche Traumatisierung kann durch physische oder psychische (psychosoziale) Einwirkungen ausgelöst werden. Im Fall einer psychischen Traumatisierung wird die Störung durch eine überstarke Aktivierung stress-sensitiver, kortiko-limbischer Netzwerke und hypothalamischer neuroendokriner Regelkreise ausgelöst, die durch keine der bisher entwickelten (d.h. erlernten und in Form bestimmter assoziativer Verschaltungsmuster verankerten) Bewältigungsstrategien unter Kontrolle gebracht werden kann. Unter diesen Bedingungen breitet sich die Erregung soweit aus, bis davon auch ältere, subkortikale Netzwerke erreicht und ebenfalls stimuliert werden. Durch die Aktivierung dieser archaischen Notfallreaktionen und –handlungen (Ohnmacht, Erstarren, Stereotypien etc.) kann die sich ausbreitende unspezifische Erregung in ein spezifisches Aktivierungsmuster umgewandelt und die Überstimulation der emotionalen, stress-sensitiven Schaltkreise gedämpft werden.

Dagmar Minor-Püllen
Fachberaterin für Psychotraumatologie
© Dagmar Minor-Püllen


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